Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111102-3116607--5103-3116850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
217 sicher gefallen wird. Er wird Euch keine Ungelegenheiten bereiten und wir werden alle zusammen fröhliche Tage in unserer heimatlichen Klitsche verleben . . Erschrocken sahen die beiden Alten sich an. Verständnislos, fast hilflos, aber sie winkte nur stumm mit der Hand und er las weiter mit nachdenklichem Tone: „Arnulf freut sich darauf, Euch kennen zu lernen. Ich habe ihm oft von Euch erzählt und dem Heimatboden, dem wir entsprossen, und aus dem neben all den Schätzen, die in seinem Erdinnern ruhen, auch der Fleiß, die Tüchtigkeit und Unternehmungslust gedieh, diese Schätze zu heben. Das sind unsere Oberschlesier und zu denen zählen wir uns mit Stolz. Auch wir Juden! Das begreift auch Arnulf von Rettlinghausen, er und manche andere, die die Ehre haben, im Hause Eures Sohnes, des Kommerzienrats und Bankdirektors Martin Eisenberg zu verkehren oder auf seinem märkischen Rittergut Gastfreundschaft zu genießen. Dort sind wir Gutsnachbarn der Rettlinghausen. Arnulf und ich stecken viel zusammen. Ein Antisemit ist er nicht! Davon werdet Ihr Euch bald persönlich überzeugen. Wir kommen morgen gegen Abend. Die genaue Stunde der Ankunft kann ich nicht bestimmen. Bis Marienhütte führt uns die Eisenbahn und von dort soll uns das Auto des Generaldirektors Ewald, den ich darum gebeten, aus den Eisenbahn umgürteten Bergwerksbezirken in die stillen, ruhigen Fluren hinführen, wo unser liebes, weltvergessenes Peiskretscham liegt. Zu feinem Heil links liegen gelassen vom Eisenbahnverkehr! Nah genug, um von allem zu profitieren, und doch fern .genug, um einen lieben Aufenthalt für liebe, alte Groß- Lltern und müde Großstadtsenkel zu bilden. Wie ich mich darauf freue! Aus gesundes, frohes Wiedersehen Euer Egon. Von den Eltern alles Gute für heute und morgen mündlich mehr.!" Eine kleine, nachdenkliche Pause folgte der Verlesung des Briefes. Dann sagte der Großvater endlich mit leiser, zaghafter Stimme: