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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 213

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Die Eisenbergers
Date
1915-01-01
Page
Seite 213 (sequence 22)
Language
German
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213 Darum mußten sie ihn frühzeitig von sich geben, obwohl sie wußten, daß Martin ihr einziges Kind bleiben würde. Das hatte der Arzt festgestellt, nachdem Sarah in schwerer Geburt ein Zwillingspaar zur Welt brachte, als ihr Erst- -geborener drei Jahre alt wurde. Diese Kinder starben ein halbes Jahr alt, und seitdem hatte ihr Leben nur -einen Inhalt: Das Geschäft, den alten Vater und den jungen Sohn. Schmerzlich stieg es in ihm auf, als er sich den tiefen Kummer vergegenwärtigte, den Sarah bei dieser Gewißheit durchlebte. Sein Weib, das dort so -eifrig hantierte, um ihm ein leckeres Abendbrot zu richten, während er im Sorgenstuhl am Fenster sitzend in den verdämmernden Tag hinausschaute und sich seinen Erinnerungen hingab. Plötzlich richtete er sich mit einem kräftigen Ruck empor. Vorbei! Das war überwunden wie manches andere, was das Leben mit sich bringt an wechselnden Ereignissen. Chajim Kohn war in ihrem Hause nach langem Siechtum gestorben, kurz bevor sein 'Enkelsohn das Abiturientenexamen machte. Zwischen dem „Seide" — Großvater — und dem Einikel hatte sich nie ein rechtes Verhältnis gebildet, zu der Mutter höchstem Leidwesen. Denn Chajim Kohn sah in dem froh aufblühenden Enkel immer nur „Mechje" und nannte ihn nie anders, und dieser wollte nur Martin sein. — Die alte und die neue Zeit stießen hier zum ersten Male Hart aneinander. Und dann waren nur sie drei zusammengeblieben. Er und sein Weib Sarah und sein Martin, und nun hatte dieser auch schon einen erwachsenen Sohn! 'Wie die Zeit läuft, dachte er. „Kascha, steht auf'm Tisch! Brennend heiß ...", rief .Fraci Sarah aus dem Nebenzimmer. Die gerösteten Zwiebeln dufteten appetitanregend. „Komm zum Essen, daß es nicht auskühlt, Josef- 'leben", er trat in den Rahmen der Tür. „Und hier ist ein Brief, der Briefträger hat ihn -gerade gebracht . ." Sie reichte ihm den Brief über °den Tisch, an dem er sich ihr gegenüber niederließ. „Von unserm Enkelsohn", sagte er, das Kuvert bedächtig lösend.

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