Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Von ihm und seiner sel. Frau bewohnten Räume übersiedelten, während er das Kostgängerstübel bezog, das- Josef und Sarah bisher innehatten. Seine und seiner Frau Weigerung dies anzunehmen war vergeblich. Der alte, früher so tatkräftige Mann war eigensinnig und mürrisch geworden und behauptete nur Frieden und Ruhefinden zu können, wenn man ihn ungestört sich selbst: überließ. Beten und Fasten und „Zdoketun" — Wohltun — wäre das einzige, was ihm noch Beruhigung geben: könnte bis zu seinem Lebensende. Jeder Einspruch war zwecklos, jedes Zureden erregte Chajim so sehr,' daß sie es aufgeben mußten, und so wurde Josef Eisenberger ganz unvorhergesehen schon in jungen Jahren. Inhaber der Gemischtwarenhandlung von Chajim Kohn. „Hcnßt ä Massel", hieß es damals in der Khille, „durch Einheirat: sy 'ne Parnosse zu kriegen." Auch der Redereien in der Gemeinde erinnerte er sich in diesem Augenblick, und daß, dieses Glück einem traurigen Boden entsprossen und aus seine und seines jungen Weibes Schultern ernste Pflichten, und eine schwere Verantwortung geladen hatte. Aber sie zeigten sich der ihnen gewordenen Aufgabe gewachsen. Mutig und getreu gingen sie an ihr Lebenswerk heran,, und es gedieh. Ein freudiger Schimmer zog durch sein Antlitz, wenn er an sein Weib Sarah dachte, die klug, und bedacht ihm zur Seite stand und sein Mühen und. seine Arbeit erleichterte. Das an sich schon gute Geschäft: brachten sie stetig vorwärts, bauten es aus und erweiterten es, den alten, kränkelnden, wunderlich gewordenen Baten hielten sie hoch in Ehren, pflegten ihn und ließen ihn gewähren in allen seinen mit dem Alter immer mehr zunehmenden Absonderlichkeiten. Ihr eignes Haus machten sie zu einem wahrhaft jüdischen, in dem ihr Erstgeborener zu ihrer Freude aufwuchs, behütet und besorgt von der Liebe der Mutter und des Vaters strenger Sitte . . . wohin führten seine Gedanken ihn weiter? Zu den Mühseligkeiten ihres arbeitsreichen und nur dem Erwerb gewidmeten Daseins,, das zu eng begrenzt war. um ausihrem einzigen Kinde einen Menschen heranzubilden, der hinauswachsen sollte in das Leben einer neuen Zeit.