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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 211

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Die Eisenbergers
Date
1915-01-01
Page
Seite 211 (sequence 20)
Language
German
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211 «in alter Mann. Aber in der Rückschau aus jene Zeiten fühlte er sich verjüngt, und das Heimatgefühl durchdrang ihn von Neuem, heute wie damals, als er seine zweite Heimat hier gefunden. Chajim Kohn und seine Frau waren ebenfalls schon seit langen Jahren in die ewige Heimat eingegangen, aber ihr höchstes Gut hatten sie ihm für seine irdische Heimat zurückgelassen. Sarah ihr Kind, ihre einzige 'Tochter. Sein Lehrherr war zufrieden mit ihm gewesen. Er war fleißig und achtsam, fromm und brav und stets auf den Vorteil des Hauses von Chajim Kohn bedacht, in treuester und ehrlichster Weise. Das erwarb ihm das Vertrauen Chajim Kohns, der ihn kaum 19 Jahre alt zum Kommis machte und schon ein Jahr darauf zum Eidam. Nach damaliger Sitte mit einstweilen dreijähriger Kostgängerei. Das heißt, er und sein Weib Sarah, die zur Hochzeit 16 Jahre alt war, wohnten und aßen bei den Schwiegereltern und teilten ihr Leben mit ihnen. Er war im Geschäft tätig wie bisher, und Sarah stand der Mutter in der Wirtschaft,zur Seite. Chajim Kohn und seine Ehefrau Brande! erlebten noch zusammen die -Geburt ihres ersten Enkelsohnes, der den Namen „Mechje" nach neuen gesetzlichen Verordnungen ins Deutsche übertragen: Martin, erhielt. Nach wenigen Monaten schon -raffte eine Typhusepidemie Frau Brande! fort und Chajim Kohn mit Tochter und Eidam und dem kleinen Martin entrannen wie durch ein Wunder der gefährlichen Seuche, die im Dorfe schrecklich gehaust und auch in der Gemeinde viele Opfer gefordert hatte. Ein tiefer Ernst umschattete sein Gesicht, als diese traurigen Ereignisse an feinem Geist vorüberzogen. Für ihn hatten sie einen Wendepunkt in seinem Leben bedeutet: Chajim Kohn, müde geworden und früh gealtert durch den Tod seiner Frau und die Schrecknisse und Aufregung jener schweren Zeit, beschloß, seinem Schwiegersohn das Geschäft zu übergeben, der jungen, tüchtigen Kraft, und sich, der sich «in gebrochener Mann fühlte, zurückzuziehen und in Frömmigkeit und Wohltun seinen Lebensrest zu verbringen. Er bestand darauf, daß seine Kinder in die 14*

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