Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111102-3116607--5095-3116842- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sieben Jahre später konnte Elsenberger sich zur Ruhe setzen als ein wohlhabender Mann. Sie hatten die Zeit des Aufblühens der damals gegründeten Florahütte tüchtig ausgenutzt. Hatten ihre Arbeitskraft verdoppelt, verdreifacht, um all den Anforderungen zu genügen, die die Arbeiterinvasion mit sich brachte, die dort ihre Zelte aufschlug, bald ihre Hütten baute und rastlos am großen Werke war. Und sie alle profitierten davon, die Handwerker und Geschäftsleute der jüdischen Bevölkerung, die Bank, die Aussichtsräte und Aktionäre in Berlin, die leitenden Kräfte dieser neuen, großen, industriellen Schöpfung und — die Arbeiterschaft, denen man ein weites Feld für ihre Tätigkeit erschlossen. „Die Mühseligen und Beladenen", so bezeichnte sie einmal der junge Studiosus Eduard Herzfeld, als er mit seinem Vater, dem Rabbiner Dr. Herzseld, an den neuen Bergwerksanlagen vorüberging. Das Leben Josef Eisenbergers hatte von dem Zeitpunkt dieser Gründung an sich allgemach so entwickelt und ^glücklich gestaltet, daß er nach weitern sieben Arbeitsjahren sein Geschäft ausgeben und sich zur Ruhe setzen konnte. Acht Jahre waren seitdem verflossen, und mit Recht durfte der Herr Generaldirektor Ewald ihn heute mit einem der französischen Epiciers vergleichen, die nach fleißiger, ausdauernder Arbeit und bescheidensten, sparsamen Daseinsbedingungen als kleine Rentiers in einfachen, meist ländlichen Anwesen ihr Alter zufrieden genießen können, und er selbst sich als ein Symbol ausruhsamen Lebens empfinden. — Die Bsumimbüchse! Er lächelte vergnügt, und während die Frau das Abendbrot rüstete, braune Haidegrütze mit Zwiebeln, recht fett und sämig, mit einem Stück Dampfwurst darin — sein Leibgericht —, gedachte er ferner Zeiten und wie er es „unberufen" so herrlich weit gebracht auf seiner Wanderung durchs Leben. Als ein dreizehnjähriges Jüngelchen am Tage nach seiner Barmizwoh, wo er den Maftir-Abschnitt geleint hatte zur Zufriedenheit von ganz Loslau, hatte sein Vater, ein armer Melammed, ihn hierher gebracht, nach Heiskretscham zu Chajim Kohn in 14