Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3111067-3111102-3116607--5091-3116838- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 205 ' — immer als der Urquell seines geistigen Lebens. Aberauch etwas anderes hatte er aus jener Zeit mit hinübergenommen in diese Welt, die ihm nun ihre weiten Arme öffnete. War er auch in den oberen Klassen ruhiger,, gelassener, nüchterner geworden, hatten im Ernst der positiven Aufgaben, des systematischen Arbeitens, seine fantastischen Märchenträume sich scheinbar ganz verflüchtigt, so begleiteten sie ihn heimlich doch hinaus zu dem Schauplatz seiner künftigen Tätigkeit und verdichteten sich dort zu den kühnen Plänen, die seiner kaufmännischen Laufbahn zu imponierender Bedeutung verhalf, ihn in die erste Reihe finanzieller Größen stellte und zu einer Autorität in der Kohlen- und Bergwerksindustrie machten. Das waren nun die Erdmännchen und Berggeister, und der Rauch aus den Schloten und die wabbernde Lohe, die aus dem Boden emporschoß, und die purpurnen Wolken, aus denen der goldene Regen niederfloß. Der goldene Regen wohl vor Allem! Und als er damals seine Eltern besuchte, was er trotz seiner anstrengenden Tätigkeit oftmals tat, wenn auch manchmal nur auf flüchtige Stunden, da war es, wo sich zum ersten Male der Abglanz ihres purpurnen Scheins um sein Elternhaus ausbreitete. In innerster Freudigkeit saßen sie beieinander. Vater, Mutter und Sohn in dem Wohnzimmer des alten noch von Chajiin Kohn erbauten Häuschens, wo alles noch so dastand, wie damals, als der Vater ihn vor mehr als zwanzig. Jahren nach Berlin gebracht hatte. Vertraut heimelte ihn das an und er fühlte sich frohbewegt in den einfachen Räumen, trotz des grandiosen Luxus, an den er jetzt gewöhnt war. Und in einer plötzlichen aufsteigenden Jdeenverbindung zwischen einst und jetzt, ries er in. heiterster, fast übermütiger Stimmung: „Euer Mechje bringt Euch heute eine überraschende Nachricht, liebe Eltern." Erstaunt, beinahe verlegen blickten die Alten sich an Auf alles daheim war er gern zurückgekommen, aber auf „Mechje", seinen jüdischen Namen, niemals. Was