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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 203

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Die Eisenbergers
Date
1915-01-01
Page
Seite 203 (sequence 12)
Language
German
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203 wegung seinen Lebensweg beschritten. Schon als Knabe erwies er sich als sehr begabt. Der Unterricht im Gymnasium der benachbarten Kreisstadt Gleiwitz, wohin sein Vater ihn schon im achten Jahre brachte, und die Erziehung im Hause des Rabbiners Dr. Herzberg fand bei ihm guten Boden. Auch war er von jener Zurückhaltung, wie sie sich Judenkindern aus jener Zeit leicht aufprägte. Jener Demut entsprossen, die sie bei den Erwachsenen vor sich sahen, die das Gefühl der Geduldeten nicht überwinden konnten und instinktiv jedes augenfällige Hervortreten vermieden. Diese begnügten sich, wenn man sie gewähren ließ, ohne Hohn und Spott, die sie gelegentlich auch geduldig über sich ergehen ließen. Sie arbeiteten, sie erwarben, sie sparten, sie kamen hier und da auch zu Vermögen, und sie hatten die frommen Freuden, die ihre Religion ihnen nicht nur gestattete, sondern gebot. Es war ein rechtes Innenleben in diesen engen Kreisen, und das vertiefte die Charaktermerkmale und pflanzte sie fort. So war es auch bei den zu einigem Wohlstand gelangten Familien eine unumstößliche Notwendigkeit, den Kindern eine höhere Bildung, zuteil werden zu lassen. Besonders den Söhnen. Sie sollten mehr können, mehr wissen als die Väter, deren Niveau die geringe Kenntnis des im Ebockor und später der untersten Volksschulklassen erworbenen nicht überschritt. Man war zufrieden, wenn man es im Lesen und Schreiben soweit gebracht hatte, um sich im Notwendigsten orientieren zu können. Als Hauptsache war das Rechnen anzusehen, die Basis einstigen Besitzes, sonst aber war man bei einiger Strebsamkeit und angeborener Intelligenz darauf angewiesen, sich selbst vorwärts zu bringen und den Anforderungen des Verkehrs und Lebens mit den „andern" sich anzupassen. Zu ihnen gehörte Josef Eisenberger in Peiskcetscham, der als Sohn eines Melammeds gewissermaßen schon „jüdisch-wissenschaftliche" Vorbildung hatte, als er in das Geschäft seines nachmaligen Schwiegervaters eintrat und, bis die Reihe der Fortentwicklung an seinen Sohn kam, schon eine etwas höhere Stufe auf der sozialen Leiter erreicht hatte, auf

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