Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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202 murmelte er nochmals: „Bsumimbüchs" vor sich hin und ein behagliches Lächeln zog durch sein Gesicht. Fünfzehn Jahre war es her, als eines Tages der Bankdirektor Kommerzienrat Martin Eisenberger bei seinen Eltern zu Besuch war und ihnen von neuen geschäftlichen Plänen erzählte, die er vorhatte. Es war sonst nicht seine Art, die schlichten, von ihm mit ehrfürchtiger Kindesliebe behandelten Eltern, in seine weitausschauenden großzügigen Unternehmungen einzuweihen. Ihre stille, arbeitsame und gesegnete Existenz war ihm heilig und sollte keinen Aufregungen und Beunruhigungen ausgesetzt werden, wie sie seinem Arbeitsfeld entsprießten. Er hielt sie hoch, und in pietätvoller Verehrung sah er sie an wie einen Ruhepunkt in seinem von den gewaltigen Strömungen, der modernen Erwerbsbedingungen durchpulsten Leben. Inmitten der bedeutungsvollsten, schwerwiegenden Transaktionen, den Weltmarkt erobernden Gründungen, und die Börsen beherrschenden Unternehmungen tauchte das einfache, liebe, friedvolle Elternhaus vor ihm auf, wie Momentbilder rasch vorüberziehend, aber doch seine Nerven beruhigend. Das gab ihm Spannkraft und Energie zu neuen Arbeiten. In der Erinnerung an den nimmer rastenden Fleiß von Vater und Mutter, die ihm vorbildlich waren und seine eigne Jugend sorglos gestaltet und seine Entwicklung beeinflußt hatten, fand er immer wieder einen Ansporn zu unermüdlicher Tätigkeit! Der Geist des Erwerbens war die Wegzehrung, die insbesondere die Generation der Juden, der er angehörte, mitbekam auf ihren Wanderungen durchs Leben. Geldverdienen war der Wahlspruch, der einen prophetischen Inhalt für sie hatte und ihnen die Pfade ebnen sollte, die Pforten erschließen zu Ansehn und Stellung. Der bewegende Motor ihres Daseins. Die hervorragende Mitwirkung der Juden an dem eminenten Aufschwung von Handel und Industrie, die Ansammlung ihrer großen Vermögen fallen in diese Epoche. Und Martin Eisenberger hatte wohl ausgerüstet für diese gewaltige Be-