Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3111067-3111102-3116607--5086-3116833- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
200 krämer, Josef Eisenberger ä Epizieh . . .", er hatte sich in einen wirklichen Zorn hineingeredet. „Nimm Dich zusammen, Josef, vergiß Dich nicht", beschwichtigte sie ihn, „es wird schon etwas zu bedeuten haben, wenn der Herr Generaldirektor Ewald es sagt.. „Tu Dir nix so auf mit Deinem Herrn Generaldirektor! Epizieh bleibt Epizieh, wenn De Dir auch noch so vornehm tust. Und er hat's nu ä mal auf mir geschumpfen ..." „AberJosef!" Ihre Stimme hatte etwas Ermahnendes, Beschwörendes. Das brachte den Mann zu sich. „Was meinst Du denn?" lenkte er kleinlaut ein. „Was meinen Sie, Saul Rappaport, Sie sind doch als ä gescheiter Mann." Dieser „gescheite Mann" hatte während des Wortwechsels des Ehepaares ruhig dabeigestanden, aus seiner Tabakspfeife mächtige Rauchwolken in die weiche Abendluft geschickt, zwischendurch ganz energisch ausgespuckt und mit keinem Ton sich in das Gespräch gemischt. Er sah aus, als brüte er über ein schweres Problem nach. Als er sich so plötzlich angerufen hörte, fuhr er wie aus tiefen Sinnen empor und sagte mit einer wahren Verkünderstimme: „Vielleicht meint er eppes ä Bsumimbüchse!" „Wie haißt, ä Bsumimbüchse?" riefen beide fast gleichzeitig aus, „wie kommt das zu dem? Wie so ä Bsumimbüchse?" , „Wer'n Sie gleich hören, Herr Josef Eisenberger und Frau Gemahlin." „A Bsumimbüchse is ä Symbol!" „A Symbol, was is als wieder ä Symbol?" „A Symbol is ein Zeichen für ä Ding, was man anders ausdrücken will. Sozusagen, ä Epizieh ist ä Gewürzkrämer und ä Bsumimbüchs is ä Gewürzbüchse ... merkts Ihr was, Herr Josef Eisenberger und Frau Gemahlin?" In geheimnisvollem, rätselhaftem Tone, nachdenklich und bedächtig, hatte er die Frage an die verwundert Aufhorchenden gerichtet.