Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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199 „Hör' auf! Du redst als, als war' ich ä Apotheker und nicht ä gemischter Warenhändler gewesen, und wegen dem bischen Gewürz kann er mich doch nicht gleich ä Gewürzkrämer schimpfen?" fuhr Eisenberger ärgerlich auf. „Wie so schimpfen?" beruhigte ihn seine Frau. „Ewald schimpft nix aus Dir. Oßer! Er sah auch gar nicht darnach aus. Immer ist er liebenswürdig und freundlich zu uns und achtet Dich, und er hat doch gar nichts von Krämer gesprochen. Im Gegenteil, ,Warenhaus* hat er gesagt, nennt man ä so ein Laden, wie unserer war, in Berlin . . .", sie hatte sich in einen energischen Widerspruch hineingeredet, sowohl um ihren Mann zu beruhigen, als um den Generaldirektor zu verteidigen, den sie sehr hoch hielt, weil er ihnen immer mit Achtung begegnete und ihren Sohn, den Kommerzienrat, stets ,mein Freund* nannte. In solchen Fällen sprach sie dann gewöhnlich hochdeutsch und vermied den Jargon, den die älteren Leute in der Gemeinde noch beibehalten hatten, wenn sie unter sich waren. Das Ehepaar Eisenberger gehörte dazu, aber wenn es galt sich als „gebildete Leut" zu zeigen, so wußten sie wohl, daß sie sich dem Tone der Judenschaft, der heute in der Gemeinde gebräuchlich war, anzupassen hatten. Er war nicht umsonst Vorstandsmitglied und sie Beisitzerin der Frauenabteilung der Chewra kadisclia, und schon des Sohnes willen nahmen sie sich zusammen. Um so ungenierter ließen sie sich gehen, wenn sie sich keinen Zwang anzutun brauchten, und er schwelgte förmlich in Ausdrücken und Sprachgebräuchen des Jüdisch-deutschen, so daß sie, auf Formen mehr bedacht als er, ihn ermahnte: „Nimm Dich zusammen, Josef, vergiß Dich nicht." Den aus jener Zeit stammenden Jüdinnen wurde die Assimilierung äußerer Lebensformen leichter als den Männern. Auch in diesem Augenblicke stellte sich Frau Sarah aus diesen Standpunkt. „For ä Narren halten laß' ich mir nix, nich mal von ä Generaldirektor. Ich weiß auch wer ich bin und was ich Hab . . . und mit sein Epizieh soll er zu andere Leit gehn . . . ausgerechnet, ä Epizieh . . . ä Gewürz-