Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 198 — Tagesgestirns, wortlos, hilflos beinahe. Was harrte ihrer? Und was würde Martin dazu sagen, ihr Sohn, der Kommerzienrat? „Weißt Du, fällt mer eben ein, Harpagon, Hab' ich schon mal gehört", Hub er nach einer Weile wieder an, „auf ä Geizhals, der spart. Aber Epizier noch nie. Dreimal, hat er gesagt, spart der. Soviel gesunde Jahr sollen wir erleben, was ich mehr als dreimal gespart Hab' . ." „Wart's ab!" Wiederum verfielen sie in Nachsinnen und starrten den Weg entlang, aus dem der Abgesandte zurückkehren mußte. Endlich erschien er auf der Bildfläche und kam langsam, zögernd näher. „Heißt ä Menuche, was der Mensch hat", sagte der ungeduldig Wartende. „Auswachsen kann man, bis der zurückkommt", stimmte die Frau zu. „Ich glaube so gehen die Philosophen, Schritt vor Schritt. Sie besinnen sich als so lange . . ." Endlich war er angelangt. „Nu?" scholl es ihm wie aus einem Munde entgegen. „A Epizier is ä Gewürzkrämer . . . ä französischer Gewürzkrämer", dabei sah er auf das Paket, das er nochin Händen hielt. „Schmabeni! Die Stiefeln Hab' ich wieder mit zurückgenommen." „Nu, und? N Gewürzkrämer? Was heißt ä Gewürzkrämer? Und wie kommt Ewalden aus so was?" „Is ä französischer Epizier, sagt der Row", antwortete gelassen der Flickschuster. „Ich bin doch aber mein Lebtag nich ä Gewürzlrämer gewesen!" „Wie kannst Du so was sagen, Josef? Wir haben nich gehandelt mit Zimmet und Nelken und Neigewürz und getrocknete Orangeschalen? Und Himmelbrandtee für die Kindbetterinnen, und Fencheltee und Kamillen und Baldriantropfen, bei de Cholerazeiten, zu Buß gesagt", rief sie aus.