Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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194 „Sitzen bleiben, ausruhen, liebe Frau Eisenberger. Gurken einsäuern und so alles, was drum und dran hängt, an so einem Geschäft für jedermann, ist auch keine leichte Arbeit. Warenhäuser nennen sie es heute in Berlin. Na, ich denke mir, daß Ihnen oft nicht nur die Gurken, sondern auch das Leben sauer geworden ist..." „Man muß Gott für Alles danken" sagte die Frau mit demütigem Tone. „Das können Sie wirklich. Fleiß und Frömmigkeit haben Sie weit gebracht. Nun dürfen Sie sich aber auch recht zufrieden Ihres Alters erfreuen und hoffentlich hält die Gesundheit noch lange vor." „Wollens hoffen, Herr Generaldirektor, wir sind beide unberufen ganz gesund, haben guten Appetit, guten Schlaf, keine Sorgen und halten seit sieben Jahren unsern Feierabend." „Ja, ja und haben daneben große Freude und Ehre an dem einzigen Sohn. Wie geht es übrigens meinem Freunde, dem Herrn Kommerzienrat? Hat nicht wenig beigetragen, daß rings um das kleine Nest hier so 'ne imponierende Chose geworden ist. Wo ist denn eigentlich Ihr Sohn in diesem Sommer?" „Sie sind vorgestern von einer großen Reise zurückgekommen", rief Frau Sarah eifrig; „mein Sohn und seine Frau Jenni, geb. Lehmann, die Tochter von Herrmann Lehmann aus Frankfurt am Main." Sie betonte das mit einem gewissen Stolze. „So, so! Und wo waren sie denn?" „A Nordlandsfahrt haben sie gemacht mit dem Schiff", gab Eisenberger zur Antwort. „Ach ja! Es fällt mir eben ein, ich hab's in der Zeitung gelesen. Und sie sind zurückgekommen, um an der Kieler Woche teilzunehmen, zu der Ihr Sohn dies Jahr auch geladen war. . . ." „Hör' nur, Sarahleben, in der Zeitung stehts, wenn unser Martin wo geladen ist und wo er hinfährt." . . . „Das freut Sie wohl sehr, lieber Herr Eisenberger? ..."