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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 193

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Die Eisenbergers
Date
1915-01-01
Page
Seite 193 (sequence 2)
Language
German
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193 Einkauf kam, hatte sie immer eine extra „Zugab" von Mandeln und Rosinen, Johannisbrot oder Kandelzucker, kein Wunder also, wenn die Eisenbergers sehr beliebte Leute in dem Örtchen waren, das damals noch nichts von seiner heutigen Bedeutung hatte. Aber auch späterhin waren sie in dem rapid anwachsenden Kohlen- und Bergwerksbezirke, in dem sie rührig und emsig für ihren jetzigen Wohlstand wirkten, wohlbekannt, und wenn sie, wie heute Abend vor der Tür ihres Hauses saßen, ging keiner vorüber, ohne nachbarliche Anrede oder freundlichen Gruß. Auch die Herren aus den großen Betrieben der Eisen- und Kohlenindustrie. Sowohl die Herren Direktoren, wie die Bergafsessoren und die sonstige Beamtenschaft der weltgebietenden Berg- und Hüttenwerke. Soeben erst war der Herr Generaldirektor Ewald bei dem Ehepaar Eisenberger stehengeblieben, hatte sich nach dem Ergehen der beiden alten Leutchen erkundigt und gesagt: „Na, immer munter und rüstig, lieber Herr Eisenberger, und die Frau Gemahlin auch? Ist 'ne wahre Freude, Sie beide so zusammen zu sehen, die wohlverdiente Ruhe genießend." „Gelobt zu Gott", antwortete Eisenberger, der sich erhoben hatte, „wir können nicht klagen, . . . Herr Generaldirektor." 4 „Sitzen bleiben, lieber Eisenberger, sitzen bleiben, sonst lauf' ich Ihnen davon ... ich glaube, Ihre Beine haben es verdient, sich auszuruhen, sind lange genug hin- und hergelaufen. Trepp aus. Trepp ab. Bald im Keller unter der Falltür, wo die sauren Gurken in den Fässern gärten, die die Madam Eisenberger so delikat einzulegen verstand, bald oben auf der Stehleiter, die schweren Tuchballen herunterlangend für die Sonntagskleider unserer Bergarbeiter. Ich Habs ja noch miterlebt, als ich vor zwanzig Jahren hier auf die Mariengrube als Hilfsarbeiter eintrat. Wie oft Hab' ich mir so 'ne saure Gurke aus Ihrem Keller erstanden . . ." „Der Herr Generaldirektor sind zu gütig", warf Frau Sarah ein, indem sie sich erhob und einen tiefen Knix machte. 13

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