Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Die Eisenbergers
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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195 „Warum soll ich mir nicht freuen, wenn mein Sohn so viel Kowod, ich mein' EHre," verbesserte er sich verlegen,. „genießt? Und er freut sich auch, denn er ist ein sehr bestrebsamer Mann . . Ein verstohlenes Lächeln huschte um die Lippen des Generaldirektors. „Und Jenny, die Tochter von Herrmann Lehmann aus Frankfurt am Main freut sich auch", fügte die Frau eifrig hinzu, „und ganz insonderheit freut sich unser Enkelsohn Egon..." „Ja, ja, Egon freut sich mit so was- Neulich hat er mir geschrieben, er will bei der Garde dienen . . .", sagte der Großvater. „A. la bonheur! Wie alt ist Ihr Enkelsohn?" „Er wird 17 zu gesund . . ." „Na also, dann kann er's noch mal bis zum Generalfeldmarschall bringen", lachte der Generaldirektor. „Gott soll uns bewahren", rief Eisenberger erschrocken. „Beruhigen Sie sich nur. lieber Freund, so schnell geht das nicht. Braucht mehr Zeit, wie wenn man's vom Hilfsarbeiter zum Generaldirektor der Marienhütte und vom kleinen Epizier zum Rentner gebracht hat." „Wie heißt Epizier?" fragte der Alte. „Na, ich meinte nur so, daß Sie es vielleicht von den französischen Epiziers gelernt haben: fleißig arbeiten in der Jugend, sich nicht viel gönnen und immer rechtzeitig was auf die hohe Kante legen, sparen, sparen, dreimal sparen; da kommt man dazu, zu richtiger Zeit in Ruhe und ohne Sorgen sich des herannahenden Alters zu freuen. Ja, diese Epiziers sind vernünftige Leute und Sie waren wohl auch so einer, mein lieber Eisenberger, . . . jetzt aber Adieu, einen guten, geruhsamen Abend. Auf Wiedersehen!" Damit war er davongeeilt und die beiden waren aufgesprungen und machten ihre Verneigung noch hinter ihm her. In der Nachbarschaft war das bemerkt worden und der Flickschuster Saul Rappaport, einer der Neunmalweisen in der Khille, der draußen vor seinem Schusterkeller den Feierabend seines arbeitsamen Tages genoß, 13*