Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Wilhelm Bacher
Date
1915-01-01
Page
Seite 185 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111102-3116606--5070-3116818
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

185 Überlieferungen häufig in mehrfacher Gestalt, nicht selten auch in korrumpierter Form auf uns gekommen sind, gehörte zu der Arbeit außerdem eine Summe selbstverleugnender Hingabe, die uns rückhaltlose Bewunderung abnötigt. Trotzdem es ein Werk strenger Wissenfchaft ist, vermag doch auch der Laie wertvolle Belehrung daraus zu schöpfen. Denn dadurch, daß Bacher die Quellennachweise und alles sonstige gelehrte Beiwerk in die Anmerkungen vertviesen hat, liest sich der Text ganz fließend.- Hierzu trägt übrigens auch die dem Verfasser eigene Klarheit und Präzision des Ausdrucks bei. Wer in die Gedankenwelt des rabbinischen Judentums einen Einblick gewinnen will, findet hier den reichsten Stoff in übersichtlicher Gruppierung. Aus diesem Grunde benutzen namentlich auch christliche, der Quellen unkundige Theologen besonders die zwei Bände über die A g a d a per Tannaiten, um sich über die sogenannte „Religion des Judentums im nentestamentlichen Zeitalter" zu belehren. Daraus erklärt sich auch die'für ein Werk der jüdischen Wissenschaft als seltene Ausnahme hervorzuhebende Tatsache, daß der erste Band des Werkes schon 1903 eine zweite Austage erlebte. Freilich darf niemand glauben, daß er nach Durcharbeitung des großen Werkes schon die Agada in ihrer Totalität kenne und verstehe. Denn einerseits hat Bacher die anonyme Agada prinzipiell aus seiner Darstellung ausgeschlossen, trotzdem dieselbe vielfach nicht nur gerade die ältesten Elemente der rabbinischen Gedankenwelt darstellt, sondern gleichzeitig auch diejenigen, die am tiefsten in das Bewußtsein des Volks übergegangen und darum am mächtigsten wirksam waren. ■ Anderseits zeigt uns das Werk nicht den lebenden Organismus der Agada, sondern nur die einzelnen Atome, aus denen jener Organismus sich zufammensetzt, in ganz neuer Anordnung und Verknüpfung, so daß wir zwar die Eigenart aller Agadisten, aber nicht die organisch aus dem Volksgeist erwachsene Agada erhalten. Bachers Werk wird daher zwar immer ein unentbehrliches Hilfsmittel für das Studium des agadischen Schrifttums bilden, aber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.