Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Wilhelm Bacher
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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184 erhalten sind. Sie umspannt daher das gesamte Gebiet des Wissens, Denkens, Fühlens und Höffens der Juden während eines ganzen Jahrtausends. In diesem ungeheuren Schrifttum treten 1500 mit Namen genannte große und kleine Geister auf, die als Autoren oder Tradenten der dort vorgetragenen Sprüche, Deutungen und Meinungen genannt werden. Ein deutlich umrissenes Bild ihrer Persönlichkeit wird uns aber dort nicht geboten. Denn der Einzelne mit allem, was er sagt und was er erlebt, tritt völlig zurück hinter der großen Ausgabe, die ganze Welt im Bibelwort wiederzufinden. Und doch ist es so wichtig, die Schöpfer und Träger der Tradition näher kennen zu lernen, und Bacher ist es nun, der sich der Riesenaufgabe unterzog, die erhaltenen agadischen Stoffmassen nach Personen zu ordnen und uns so die Agadisten als lebensvolle Gestalten mit scharf ausgeprägter Individualität hinzustellen. Das Resultat legte er in einem sechsbändigen über 3100 Seiten umfassenden Werke dar, au dem er fast ein Vierteljahrhundert gearbeitet hat- „Durch diese erstmalige Feststellung des noch auffindbaren agadischen Nachlasses der verschiedenen Tannaiten und Amoräer sollte ein gleichsam intimer Einblick in die Gedankenwelt dieser Männer, der führenden Geister des Judentums durch eine Reihe von Jahrhunderten, gewährt, ihre Individualität genauer umgrenzt, ihr Anteil an dem Wachstum der agadischen Literatur nachgewiesen werden." Der Nichtfachmann könnte meinen, Bachers Agadawerk sei eine lediglich reproduktive Leistung. Denn äußerlich betrachtet bietet es nur eine Inventarisierung der zerstreuten Angaben über Lebensschicksale, Lehrweise und agadische Betätigung der einzelnen Schriftgelehrten. Wer aber jemals selbständig aus diesem Gebiete gearbeitet hat, wird anerkennen müssen, daß die Ermittlung der richtigen Ueberlieferung hier ungeheuer viel positive Kritik verlangt. Da die in Betracht kommenden Texte bisher noch nicht in kritisch brauchbaren Ausgaben vorliegen, da ferner so viele Schriftgelehrte gleichlautende oder ähnlich klingende Namen tragen, und da endlich die «