Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Wilhelm Bacher
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Weitere Kreise berechnet ist die Darstellung der Masora, der hebräischen Sprachwissenschaft und der Bibelexegese des Mittelalters, die Bacher im zweiten Bande von Winter und W ü n s ch e' s „Jüdische Literatur seit Abschluß des Kanons" veröffentlicht hat und die durch die sorgfältig ausgewählten Proben auch in pädagogischer Beziehung ein wertvolles Hilfsmittel für das tiefere Eindringen in die Originale ist. Sein Plan einer zusammensassenden Geschichte der jüdischen Bibelerklärung, die für den „Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums" bestimmt war, ist leider nicht mehr zur Ausführung gelangt. Wenn andere ihn verwirklichen werden, bleibt das Werk doch mit seinem Namen verknüpft. Denn die meisten und besten Vorarbeiten, die dabei zu benützen sind, rühren von ihm her. Das zweite große Arbeitsgebiet, auf dem Bachers Name dauernd fortleben wird, ist die H a g g a d a, oder um die von ihm bevorzugte Schreibung zu wählen, die Agada. Es ist kein bloßer Zufall, daß ein Gelehrter, für den gerade die B i b e l im Mittelpunkt der Forschung stand, sich besonders eingehend mit der Agada beschäftigte. Denn bei dem unlöslichen Zusammenhang zwischen Bibelwort und Tradition kann nur ein gründlicher Kenner der Bibel und ihrer Auslegung die Darstellung der Agada vornehmen oder auch nur die Agada verstehen. Was ist überhaupt die Agada? Eine kurze und befriedigende Definition ist bisher noch nicht gegeben worden und ist auch kaum möglich, da das Wort sowohl eine Methode der Gedankengewinnung als auch einen bestimmten Gedankeninhalt bezeichnet. Methodisch ist Agada eine besondere Art der Schriftdeutung, die nicht den schlichten Sinn widergeben will, sondern nach gewissen Regeln dem Bibelwort einen verborgenen tieferen Sinn zu entlocken sucht, und inhaltlich ist Agada ein zusammenfassender Name für alles, was auf diese Weise aus dem Schriftwort herausgedeutet oder irgendwie mit ihm in Verbindung gebracht wurde, oder deutlicher gesprochen für alle nicht rein gesetzlichen Bestandteile der Traditionsliteratur, wie sie uns im Midrasch und Talmud