Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Heinrich Laube und die Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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174 und Darstellung höchst achtungswert und wenn es auch, gemessen an wirklich großen Kunstwerken, geringwertig erscheint, so bleibt es, im Vergleich zu den Laubeschen Arbeiten, die man keineswegs als erstklassig charakterisieren kann, ein ganz gutes Stück Arbeit. Doch uns interessiert in erster Linie nicht der ästhetische Wert des Buches, sondern seine Bedeutung für die Judenfrage. In dieser Hinsicht muß man zuvörderst bemerken, daß es ein Tendenzwerk ist: man könnte es ein Plädoyer für die Zivilehe nennen. Sodann aber, daß es im Großen und Ganzen judensreundlich ist. Nicht in dem Sinne, daß alle Juden als Engel, sämtliche Christen als Teufel geschildert werden, wohl aber in dem, daß die Sympathie des Verfassers auf Seiten der Juden steht. Die Geschichte spielt in Triest, in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Rüben Schemel, der Sohn eines orthodoxen Bankiers, selbst Börsenmann, aber aufgeklärt, allgemein, besonders musikalisch gebildet und mit einer herrlichen Gesangsstimme begabt, lernt Camilla, die Tochter eines Obersten, die bei ihrer Tante, einer Frau Molitore (eig. Müller) zu Besuch ist, kennen und lieben. Es gelingt ihm leicht, einen widerwärtigen, schuldenbelasteten Kavalier, der nur durch die Mitgift des schönen Mädchens gelockt wird, auszuschalten; schwerer wird es ihm, den Widerstand der Juden und der Christen zu besiegen. Unter den Christen sind es zwei Hauptgegnerinnen: das Dienstmädchen Maria, das selbst in den schönen Rüben verliebt ist, und aus diesem Grunde allerlei Lügen erfindet und verbreitet; Frau Molitore, die von ingrimmigem Hasse gegen die Juden erfüllt ist. Jenes wird mit List entfernt, diese nach langem Widerstande besiegt. Unter den Juden sind es besonders ein fanatischer Buchhändler Veitl, der den seiner Meinung nach Abtrünnigen mit furchtbarem Hasse verfolgt, und Rubens Vater, der in der Verbindung seines Sohnes mit einer Christin ein todeswürdiges Verbrechen steht. Der schwache kränkliche Vater stirbt, nicht wie der tückische Veitl verbreitet hatte, tätlich ge-