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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 173

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Heinrich Laube und die Juden
Date
1915-01-01
Page
Seite 173 (sequence 23)
Language
German
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173 Man kann nicht leugnen, daß so sympathisch im Ganzen die beiden Figuren der Juden gezeichnet sind :: der alte Manasse mit seiner rührenden Vaterliebe, die ihn die schlimmsten Gefahren bestehen, die größten Opfer bringen läßt, in seiner Prophetengestalt, die in gefahrdrohendster Lage den Feinden Ehrfurcht einflößt; Joel in seiner idealen Freiheitssehnsucht, in seiner Märtyrerlust, in seiner meist männlichen Kraft, das Unglück zu ertragen, — doch der Ausgang den Leser unbefriedigt läßt und die Anschauung über das Judentum falsch ist. Der Ausgang ist unbefriedigend, denn Joel, der durch das Erbe seines Vaters vor äußerster Not geschätzt ist, müßte, wenn seine Beteiligung an dem Freiheitskampf nicht blos die Wirkung eines flüchtigen Rausches war, die Kraft in sich haben, weiter, wenn auch nicht mit den Waffen, für die Verwirklichung seiner Ideale zu streiten. Und auch die Anschauung über das Judentum ist falsch. Nicht zum Sterben, nicht zum Ausgehn in das Christentum ist es bestimmt, und die Hartnäckigkeit, d. h. das Verbleiben der Juden bei ihrem Glauben ist nicht bedingt durch die Ueberzeugung, daß aus diesem das Christentum erwachsen sei. Das Verharren bei dem Glauben beruht vielmehr in der Ueberzeugung von seiner Wahrheit, und grade der aufgeklärte Jude ist erfüllt von der Hoffnung auf die Mission seiner Ansicht für die Zukunft, an deren Verwirklichung er Mitarbeiten kann, grade weil und wenn er als ebenbürtiger Genosse ausgenommen ist in den Volkskörper, dem er durch Geburt und Erziehung angehört. Fast fünfzig Jahre später — Laube ist am 1. August 1884 gestorben — beschäftigte sich der Dichter noch einmal mit der Judenfrage; das Werk, in dem dies geschah: der moderne Roman „Rüben" ist erst nach seinem Tode (Leipzig 1885) veröffentlicht worden. Der Herausgeber der sämtlichen Werke bemerkt über diese nachgelassene Arbeit, daß sie „das völlige Nachlassen seiner produktiven Kraft beweise". Das scheint mir wie andere Houbensche Werturteile allerdings recht bestreitbar; als Werk eines 78 jährigen ist es vielmehr in Erfindung

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