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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 172

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Heinrich Laube und die Juden
Date
1915-01-01
Page
Seite 172 (sequence 22)
Language
German
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— 172 AM dort ein bescheidenes Leben zu führen. Er bezeugt feinen großen Irrtum, der darin bestand, in das Schicksal eines sterbenden Volkes eingreifen zu wollen, und er schließt an dieses Bekenntnis seine philosophische Anschauung über das Wesen des Judentums, die so lautet: „Hofft ihr Juden nicht seit achtzehnhundert Jahren umsonst auf ein wiedererwachend jüdisch Reich, ist das nicht euer Hauptunglück? Warnet die Polen, damit sie nicht mit ihrem starr erhaltenen Schmerze europäische Juden werden? Ihr wollt es heut noch nicht glauben, daß ihr in einem neuen Umschwung der Welt verloren gegangen seid, und so seid ihr der ewige Jude geworden, der nicht sterben kann und überall leidet. Gott bewahre dieses Land vor einem ewigen Polen! Wer nicht sterben kann, lebt auch nicht. Diese Welt kreist einmal nur zwischen Leben und Sterben. Wie glücklich sind die Schotten in Engländer aufgegangen, wie schwer wird den Irländern der Tod, die schon lange Engländer sind, wie bedroht jeder Ruck die Scheinpflanze Belgien, wie ringt Spanien in tausend Schmerzen, weil die einzelnen Reiche nie sterben wollten!" „Wie sollen wir sterben, wir armen Juden, weiser Christ?" sagte Joel. „Wenn ihr den Buchstaben der Tradition aufgebt, aufgeklärte Juden werdet, euch emanzipieren laßt, so sterbt ihr, freilich langsam und schmerzhaft. Von jetzt an, wo dieser Gedanke auskommt, werden noch drei Generationen zuckend leiden, wenn's in Stille fortgeht und nicht nach dem gläubigen Unglauben schlechter Christen eine ganz neue Offenbarung über die Welt kommt. Gesteht's nur, daß ihr just darum so hartnäckig seid, weil das Christentum aus euch erwachsen ist, weil ihr die altklugen Väter bleibenden überflügelnden Kindern nicht weichen wollt; es gäb' lang' keine Juden mehr, wäre das Christentum unabhängig vom Mosaismus entstanden." Auf. diese Auseinandersetzung hat Joel nichts zu Antworten, als den resignierten Satz: „Vorderhand will ich schachern!"

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