Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Heinrich Laube und die Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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heit? Wer weiß es? Oder hängen wir in aller Erniedrigung stolz und gläubig an der alten Tradition, das vornehmste Volk, das auserwählte Volk Gottes zu sein? — Wir können den Tod nicht suchen und wünschen, so notwendig er uns sei. Ich werde ein Schacherjunge, um weiter zu leben. „Und was habe ich erlebt! Ein gemeiner Bauer verschmäht den Ausdruck meiner Teilnahme; ein Mädchen, das mich geliebt hätte, ich weiß es, wäre ich ihrer Abstammung gewesen, diesem Mädchen blieb ich zuwider bis in den Augenblick des Todes, weil mein Leib eine nationale Atmosphäre hat, die ihr fremd und unheimlich ist, weil ich an den Jordan gehöre und an der Weichsel ein verachteter Fremdling bin. Fremd, fremd, fremd! In dem Worte liegen alle Abgründe der Existenz! Euch stinkt die Zwiebel, die andern duftet. Nur das verwegene Glückskind trete aus seinem Kreise, ich werde ein Schacherjude und vergesse meine Philosophie und Kenntnis, die ich in falschen Kreisen erlernt habe; Gott gebe, daß ich zurück kann. Der Christ verstößt mich und ich habe schon lange den Juden in mir verstoßen! Wehl Dies wird der Zwitterzustand, den diejenigen durchmachen müssen wie eine lebenslange schmerzliche Geburt, die sich einlassen auf Emanzipation. Ihr haltet diese Gewährnis der Emanzipation für eine besondere Gunst, für ein wohlschmeckendes Recht, das ihr uns gewährt — weh, der emanzipierte Jude zieht ein stechend Hemd auf seinen Leib, das er Zeit seines Lebens mit Schmerzen tragen muß, um außen Frack und Weste darüber zu tragen, wie ihr tragt. Wer hilft, wer hilft' gegen historisch Unglück?" Die beiden Freunde eilen zu Manasfe, den sie sterbend antreffen. Der Alte erlebt noch die Freude, seinen Sohn ohne Soldatenrock, der ihm stets ein Greuel war, anzuschauen, er hat noch die Kraft, ihm ein Kästchen zu übergeben, in dem seine Ersparnisse verwahrt sind, und stirbt. Die Gefährten begeben sich auf die Wanderung. Valerius ist entschlossen, nach der Heimat zurückzukehren,.