Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Heinrich Laube und die Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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170 als Jude erkannt wird, erfährt er Schmähungen und Zurücksetzung. Der Aufenthalt der Freunde auf dem Schlosse erfährt eine jähe Unterbrechung durch einen Angriff russischer Kolonnen. Sie können sich zunächst in Gemeinschaft mit der gastfreien Familie retten, werden aber während der Flucht überfallen, gefesselt, können sich jedoch endlich nach Warschau retten. Dort verlieren sich die Freunde lange Zeit aus dem Gesicht. Während Valerius in einem lebhaften Gesellschaftstrouble lebt, Liebesfreuden genießt, viele Fährlichkeiten besteht, teils dvrch eigene Unvorsichtigkeit, teils durch die Unsicherheit der Umstände, hält sich Joel verborgen. Erst bei dem letzten freilich erfolglosen Aufraffen der nationalen Partei treffen sie wieder, fast zufällig, zusammen. Und nun ziehen sie noch einmal aus, freilich ernüchtert und ohne Vertrauen auf den Sieg der Sache, der sie sich geweiht haben. Wiederum treffen sie mit der gräflichen Familie zusammen, die sie auf ihrer weiteren Flucht geleiten, wiederum werden sie gefangen. Sie werden von Hedwig befreit, aber das von beiden geliebte Mädchen muß ihre Tat mit dem Tode büßen. Joel bietet seinem Freunde an, ihn nach Krakau zu geleiten; seiner Anschauung über Vergangenheit und Zukunft macht er in folgendem traurigen Monologe Luft: „Dort werden wir diese unglücklichen Soldatenjacken los, ich werde wieder das, was ich bin und bleiben muß, um eine Existenz zu haben, ein Judenjunge, ich gehe auf den Schacher, da läßt mich die Welt gewähren. Sie stößt mich, sie behandelt mich verächtlich, sie weist mich in den Winkel; aber das wird meinem Herzen wohltun, es wird Ruhe haben. Ich habe ein Mensch sein wollen mit Menschen, man hat dazu gelächelt; und ich habe leider nicht sterben können an diesem Lächeln; andrer Unglück ist der Tod; unser Unglück ist das Leben. Namenlos, namenlos Unglück! Jst's ein nationaler Zug, den wir vom Jordan mitgebracht haben, diese feige Liebe zum Leben, oder ist er uns eingewachsen durch die über tausendjährige Gesängen-