Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Heinrich Laube und die Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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159 pation. Deshalb war er auch unwiderstehlich, als er das erste Mal hervortrat auf der Rednerbühne gegen Moritz Mohl, welcher auf eine beschränkte Emanzipation der Juden angetragen hatte, und ganz so mit der Tapferkeit der Selbstverblendung darauf angetragen hatte, wie es dem „er mengt sich in alles" Moritz Plumper entsprach." II. In den fünfziger Jahren begann Laubes große Wirksamkeit als Theaterleiter. Als solcher hatte er vielfach Gelegenheit, sich über Künstler auszusprechen, die dem Judentum entstammten, seltener über das jüdische Publikum. Ueber das letztere findet sich, soweit ich sehe, nur einmal die nebensächliche Bemerkung <9, 93): „Die Franzosen wie die Juden sind die fleißigsten und aufmerksamsten Theaterbesucher". Auch auf jüdische Kritiker weist er nur einmal hin. Dieser Hinweis, übrigens nicht in eigenem Namen gegeben, lautet (7, 43): „In den Wiener Zeitungen sind Einwanderer aus aller Herren Länder die Mehrzahl und die Tonangeber. Und zwar vorzugsweise Juden. Diese sagten naturgemäß zu einem vaterländischen Drama aus alter österreichischer Zeit: Was ist mir Hekuba? Erst seit kurzem zu menschenwürdigem Dasein zugelassen, müsse ihnen doch irgendwelche Sympathie für die alte Landesgeschichte fern liegen". Dagegen charakterisierte er häufiger Schauspieler jüdischen Ursprungs. Mannigfache Bemerkungen über die große Rachel bieten nicht viel Neues, interessanter sind seine Aeußerungen über deutsche Schauspieler, hauptsächlich über Bogumil Dawison und Adolf Sonnenthal. Dawison, ein großer Künstler, war das Urbild eines Virtuosen, ein hochbegabter Mensch, aber reizbar und launisch, die Qual seiner Direktoren, bald der Abgott des Publikums, bald von ihm verachtet, in ewigen Konflikten mit seinen gelegentlichen und dauernden Mitarbeitern lebend. Zwischen ihm und Laube, der eine Zeit lang sein Chef war, kam es zu starken Differenzen.