Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Heinrich Laube und die Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111102-3116605--5040-3116789- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Talent will fortwährend schaffen, will Unerhörtes bringen, und das ist doch ein Wagnis. Das Lob erst versichert ihn, baß sein Wagnis gelungen sei, daß er das Richtige getroffen habe. Lob erst befriedigt ihn, großes Lob erst beglückt ihn. Und wer trachtet nicht immerwährend nach Glück! Dafür war er auch immerwährend darauf bedacht, sich zu vervollkommnen und sich des größten Lobes würdig zu machen. „Was man als Maniertheit an ihm tadelt, das trifft wohl jeden, der seine Eigentümlichkeit stark betont, weil er von großer Selbstliebe beherrscht wird. Ist diese Eigentümlichkeit ansprechend, so bleiben Spuren davon übrig in unserer Literatur und das sind glückliche Spuren. Mit einem Worte: seine Vorzüge sind viel größer als seine kleinen Fehler, und man darf ihm mit warmen Ausdrücken nachsagen, daß er eine gesunde Frische und eine mannigfache Bereicherung in unsere Schriften gebracht hat. „Vergessen darf man bei dem Namen Auerbach nicht, daß er ein warmer Deutscher war und an der nationalen Entwicklung unseres Vaterlandes den tätigsten Anteil nahm. Ja, er war ein Beweis gegen diejenigen der neuesten Aera, welche den Juden ausschließen wollen aus unserer nationalen Gemeinschaft, er war ein schlagender Beweis, daß der Jude sich vollständig vereinigen kann mit einer Nationalität, welche nicht aus Palästina stammt." Vor das Wiener Zusammentreffen mit Auerbach fällt das Zusammentreten des deutschen Parlaments und Laubes Beteiligung daran. Der Schriftsteller hat den Beratungen dieser Körperschaft ein dreibändiges Werk gewidmet: „Das erste deutsche Parlament", das 1849 erschien. Ueber den geschichtlichen Wert oder Unwert des Werkes soll hier nicht geurteilt werden; was uns interessiert, ist ja nicht der historische Bericht, sondern das, subjektive Urteil. Ueber viele Abgeordnete jüdischen Ursprungs gibt der Historiker seine Meinung ab: über Joh.Jacoby und den schon genannten Jellineck, über Heinrich und Ludwig Simon. Während der Letztere sehr sympathisch beurteilt wird, gilt dem Ersteren eine starke Abneigung. Bei allen