Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Heinrich Laube und die Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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155 p doch hundertmal über Eigentümlichkeiten der Juden und Christen. Das tat er immer wie ein Neutraler, als ob es ihn persönlich garnichts anginge. Er pries Plötzlich einen Vorzug des jüdischen Wesens, und er verspottete ebenso plötzlich einen Fehler desselben. Ebenso lobte und verspottete er nach verschiedenen Seiten das Wesen des. Christentums. Man konnte allenfalls daraus entnehmen,' daß er weder dem Judentume noch dem Christentums angehören wollte. Dabei konnte man nicht einmal an seinen Jugenderinnerungen merken, daß sie jüdische wären und daß sie wärmer atmeten." In Leipzig, während der vierziger Jahre, kam Laube mit manchen Leipziger Schriftstellern zusammen: mit Ignaz Kuranda, Moritz Hartmann, Kaufmann, der durch eine hübsche Skizze Gustav Freytags der Vergessenheit entrissen worden ist, und Sigmund Kolisch. Ueber diese sagt er nur kurz (9, 25): „sie waren sämtlich Israeliten, welche die Emanzipationsfrage ihres Stammes unermüdlich und mit guten Mitteln verfochten." In Wien lernte Laube den Politiker Jellineck kennen, einen Philosophen, der später seiner politischen Reden wegen erschossen wurde. Für unfern Zweck ist der Aufenthalt in Wien deswegen wichtig, weil Laube dort Verth old Auerbach näher trat. Auch weiter blieben beide in Beziehung. Auerbach wies den Freund, der das Leben deutscher Dichter in Dramen zu behandeln gedachte, auf Schiller hin. Diesen Liebesdienst vergalt Laube dadurch, daß er den Dichter der „Schwarzwälder Dorfgeschichten" gegen den Vorwurf verteidigte (9, 372 f.), daß seine Bauern nicht dorfmäßig genug, sondern allzu philosophisch sprächen und gegen den fernern, daß der Dichter ungeeignet gewesen wäre, das Salonleben zu schildern. Dagegen weiß er von seinem Roman „Das Landhaus am Rhein" nicht allzuviel Gutes zu sagen. Von seinem menschlichen Wesen gab er folgende hübsche Charakteristik: „Ja, er war sehr eitel und stets des Lobes bedürftig, sogar großen, eigentlich unermeßlichen Lobes. Am Endeist auch das natürlich bei einem Talente, wie er's besaß.