Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Heinrich Laube und die Juden
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 152 — weggelassen werden, in unserer Schule aber nicht weggelassen wurden". In Berlinam Anfang der 30er Jahre, kam Laube mit zwei Juden in nähere Beziehung: mit Joel Jacoby und mit Aron Bernstein. Mit dem ersteren, der bekanntlich in seiner Frühzeit eine Gedichtsammlung „Klagen eines Juden" geschrieben hatte, dann aber zum Christentum überging, und dem Laube sein Renegatentum nicht verzeihen konnte, kam es nur zu flüchtiger Beziehung; eine umso innigere knüpfte sich mit Aron Bernstein an. dem bekannten Naturforscher, Politiker und ausgezeichneten jüdischen Dichter. Bernstein war damals sehr arm und kam häufiger zu Laube, um sein Mittagessen zu teilen. Von ihm gibt Laube eine so liebenswürdige Charakteristik, daß sie hier folgen mag (8, 323—25): „Der zweite Jude, der viel öfter als Jacoby zu mir aus die Kronenstraße kam, hat die ganz entgegengesetzte Laufbahn gemacht; er steht jetzt an der Spitze der strengsten liberalen Richtung in Berlin. Er war noch ganz unbekannt, und schrieb kleine Hilfsartikel für Journale, welche elendiglich honoriert wurden. Er war arm wie eine Kirchenmaus, und ich sogar, der auch nur wenig zu brechen und zu beißen hatte, erschien wohlhabend neben ihm. So kam er denn eine Zeitlang gewöhnlich um die Mittagszeit zu mir. und teilte mein dürftiges, geschmackloses Mittagsmahl mit mir, welches ich aus einem nahen wohlfeilen Speisehause auf mein Zimmer holen ließ. Er kam immer nur einen Tagum den andern, sicherlich aus Bescheidenheit;, denn wahrscheinlich speiste er an dem dazwischenliegenden Tage garnicht. Bescheidenheit, Weiche Herzensgüte, tiefes Wohlwollen für die ganze Welt sprach aus all seinen Aeußerungen, aus seinem ganzen Wesen. Er hatte die eigentümliche Vorbildung genossen, welche bei den Juden auch den ärmsten Kindern zuteil wird: die rabbinische' Schulbildung in der hebräischen Sprache, die Kenntnis der Religionsgeschichte und -gesetze, welche letztere bei den Juden fast naturgemäß in die dialektische Form des Talmud und der übrigen posthumen Bücher der Glaubenserörterung übergehen. Man sollte glauben.