Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 79)
- Language
- German
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134 Auch diese Differenz zwischen Religio it und Philosophie gehört in die intellektuelle Struktur dieses Pantheismus der angeblichen Aufklärung. Während die universelle Humanität die Aufhebung der Schranke fordert zwischen den Erkenntnis der Philosophen und der Religion des gemeinen Volkes, wie der alte Messianismus in seiner Sprache diese Forderung formuliert hat, bleibt Spinoza in dem aristokratischen Vorurteil befangen, von dem er, nach der aktuellem Tendenz seiner Staatsschrift, nur äußerlich abweicht, die er aber im politischen Traktat mit allem Nachdruck und ohne den leisesten Zweifel verteidigt. Die intellektuellen Motive sind damit noch nicht erschöpft. Es ist ein typisches Zeichen der Aufklärung, wie sie vor der deutschen Aufklärung beschaffen war, obschon sie diese vorbereitete: daß dieser Gegensatz zwischen Erkenntnis und Bildung der Religion gegenüber bestehen blieb, und daher auch mehr oder weniger hart und bestimmt der zwischen den höheren und niederen Volks klaffen. Es wäre zu untersuchen, ob sich ein solcher Gedanke bei Herder, bei Lessing, bei Moses Mendelssohn findet; bei Kant ist er unmöglich. Wenn aber die religiöse Aufklärung nicht vom echten, wahrhaften, überzeugten sozialen Univ e r s al i s mu s durchdrungen ist, so bleibt die Freigeisterei nur ein Aufruhr gegen die Religion, die von solchen Stürmen im Glase Wasser nicht erschüttert wird; der aber nur weiter geholfen werden kann durch die eigenen lebendigen Kräfte, die nur aus ihr selbst geschöpft, die aber nur in Wirksamkeit gesetzt werden können, wenn Wissenschaft und Philosophie in diesen Quellengrund eintreten und ihn ausnahmslos für alle Menschen lebendig und fruchtbar machen. Wir müssen dagegen hier besonders an F ich t edenken, der in den niederen Ständen die tiefsten Volkskräfte erkannte und für die allgemeine Regeneration von Volk und- Menschheit gerade sie aufrief. Unsere deutsche Aufklärung geht schon in Kant über in den wissenschaftlichen Idealismus. Seine Publi-