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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 135

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 135 (sequence 80)
Language
German
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135 zistik ist die Wetterscheide zwischen Aufklärung und wissenschaftlicher Philosophie, so in religiöser, wie in politischer Hinsicht. Es ist auch von hier aus durchaus verständlich, daß Kant von Spinoza sich abgestoßen fühlte. Es tut also garnicht not, daß wir uns einer unmaßgeblichen Seelenkunde anmaßten, um Spinozas S e e l e n - wesen zu durchschauen. Es genügt, sein Geisteswesen auf eine klare Formel zu bringen. Ihm fehlt jede innere Disposition zum wissenschaftlichen Idealismus. Er hat keine Spur des Verständnisses für Platon; und was er von Descartes gelernt und angenommen hat, betrifft nur die scholastische Schwäche, mit der jener wahrhaft Große mit dem Ausgang seines Jahrhunderts zusammenhängt, an deffen statt er selbst unter den Ersten das neue Zeitalter der „neuen Wissenschaften" heraufführt. Spinoza ist nicht Cartesianer im Geiste Descartes', als des neuen Idealisten von der Gewißheit der Erkenntnis und der auf ihr begründeten Natur: Spinoza ist Scholastiker mit den neuen Formeln von Natur, Notwendigkeit und Naturgesetz. Und er ist Scholastiker tm besten Sinne, insofern er von dem ontologischen Gottesbegriffe ausgeht und bei ihm stehen bleibt. Seine Befangenheit im scholastischen Denken beweist er nicht allein durch den Formalismus seines terminologischen Aufbaus, sondern gerade lebendiger noch durch seine TeLina h m l o s i g k e i t gegenüber dem modernen Problem von Recht und Staat. Charakteristisch ist hier auch seine englische Gefolgschaft, wie bei dem Problem des Gesetzes, gegenüber Bacon, so hier zu Hobbes. Welche Differenzen immer dabei zu erkennen sein mögen, in der Hauptsache bleibt er, wie er die Gesetze auf Induktion zurückführt, so beim Recht auf der Macht stehen. Für die englische Revolution hat er keine Bewunderung: es sei ja schließlich doch alles beim alten geblieben. Er hat kein Auge für die in den Untergründen des Staatslebens wühlenden, schaffenden Volkskräfte. Von hier erst könnte man glauben sagen zu dürfen: w e i l sein Herz ihn nicht dahin treibt, diese ewigen.

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