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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 131

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 131 (sequence 76)
Language
German
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131 über falsche Richtungen der Theologie und Philosophie Luft macht. Auch für seine persönlichen Gegner hat er oft -ähnliche Worte. . . Hat er, der so reich an Liebe war, auch dem Hasse Raum gegeben? Man könnte versucht sein, das anzunehmen, wenn man sich vergegenwärtigt, mit welcher abstoßenden Härte er, wie über seine Gegner, so über die breite Masse des Volkes, in dessen Mitte er wohnte, und über den Volks st amm, aus dem er hervorgegangen ist, urteilt". Von der großen Menge glaubt er, „daß sie Frömmigkeit, Gottesfurcht und Seelenstärke lediglich als Lasten ansehe, die man nach dem Tode abwerfe und für die man seinen Lohn zu empfangen habe . , . Daß das Volk, das er so hart tadelt . . ein tapferes arbeitsames. Vaterland liebendes, glaubens- und willenstarkes Volk war, beachtete er nicht . . Mit gleicher Schärfe beurteilt er Eigenschaften, Geschichte und Schriften des jüdischen Volkes. Seine Fehler und Irrungen deckt er mit schonungsloser Grausamkeit auf, für seine Vorzüge aber hat er kein Auge. Er, der so vieles am Alten Testament zu tadeln hat, findet kein Wort für die Erhabenheit der Prophetenreden, für die Gedankenfülle Hiobs, die innige Frömmigkeit der Psalmen. Eine Abneigung, die ihn gegen die guten Seiten seiner Stammesgenossen blind macht, muß ihn beherrscht haben, wenn er sich zu ihrer Herabsetzung auf die Verleumdungen der Samaritaner und die -Gehässigkeiten des über die Verhältnisse der Juden schlecht unterrichteten T a c i t u s beruft; wenn er, der ausgezeichnete Kenner der Bibel, dem Alten Testamente das Gebot des Feindeshasses aufbürdet, weil es ihm im Evangelium Matthäi fälschlich zugeschrieben wird; wenn er für die wunderbare Erhaltung bes jüdischen Volkes keine anderen Ursachen gefunden hat -als den Haß der Völker und das Zeichen der Beschneidung" (200). 9*

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