Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 75)
- Language
- German
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iü V^^WWW^^^^W^W^WWWWDNAWWWWW — 130 — Christentum gerichtet, sondern zugleich die größte Verherrlichung dem Judentum gewidmet hat. Es muß ausfällig erscheinen, daß diese Schrift, die Leibniz und Thomasius gekannt haben, die in den weitesten Kreisen damals verbreitet war, dem Spinoza unbekannt geblieben sein sollte. Nach vielen wichtigen sachlichen Erwägungen heißt es dann: „Zunächst verkennt man feinen Charakter durchaus, wenn man ihm vor allem Zartheit und Weichheit des Gefühles beilegt" (197). Hier setzt die Charakterschilderung richtig ein. „Spinoza ist von Natur gut . . aber er ist kein Gefühlsmensch . . so groß ist die Macht des Intellektes, daß bisweilen eine gewisse Nüchternheit und Kälte in seinem Wesen hervortritt". Hiermit wird seine ästhetische Stumpfheit in Verbindung gebracht. Es sei ihm aber doch nicht gelungen, „sein Gefühlsleben ganz dem Intellekt zu unterwerfen. Er ist von Haus aus nicht frei von ungestümen Gemütsbewegungen .. er selbst hat uns berichtet, daß er sich in seiner Jugend vom Glanze des Reichtums, der Ehre und der Sündenlust habe blenden lassen" (198) . . nie aber ist in ihm das weltfremde Ideal des stoischen Weisen verwirklicht worden". „Schmerz und Zorn, Abneigung und Furcht st ö r e n bisweilen das Gleichgewicht seiner Seele . . unter der Decke nüchternen Denkens aber brennt auch in dieser Zeit (sc. in seinen Mannesjahren) noch ein Feuer, das bisweilen mit gewaltigem Ungestüm hervorbricht . . Mit einer Heftigkeit, die bei dem sonst so mild urteilenden Spinoza doppelt auffällig erscheint, wendet er sich gegen die Kleinlichkeit der Rabbiner, die Träume der Kabbalisten, die Spitzfindigkeiten der Scholastiker. . . „Die Rabbiner find wahnsinnig, die Bibelerklärer träumen, erdichten Falsches" . ., die Scholastiker scheinen gewissermaßen nach dem Irrtum zu streben und das Unsinnigste zu erdenken". „Das sind einige der Kraftausdrücke, in denen Spinoza seinem Zorn