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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 128

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 128 (sequence 73)
Language
German
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128 « eines Bibelwortes an den Pantheismus von dessen eigentlichem Sinn. Er sagt sogar: „an keiner Stelle des Traktates bekämpft er die biblische Lehre von Gott". Dem widerspricht aber die Ansicht von der Bedeutung des einzigen Gottes bei Mose. Demnach können wir auch dem Satze nicht zustimmen, er habe sich „niemals zu ungeziemenden und ungerechten Ausdrücken über die Offenbarung Gottes Hinreißen lassen". Auch die Fiktion einer „übernatürlichen Erkenntnis" für die Prophetie ist ein Mißverständnis der Ironie, die hier mitspricht, wie denn überhaupt Freudenthal das Dämonische im Charakter Spinozas entgangen ist. Er hebt die Verwandtschaft Spinozas mit den Menoniten, Kollegianten und Sozinia n e r n in den religiösen Anschauungen hervor. „Aber trotzdem bleibt der Zwischenraum unter den genannten Sekten unausfüllbar . . wie fern steht doch Spinozas pantheistische Philosophie allen solchen Anschauungen! Er spottet der Extravaganzen dieser Schwärmer". Indessen muß doch auch Freudenthal zugestehen: „der Traktat lehrt nichts anderes als die übrigen Schriften, nur nicht mit der Klarheit und Unumwundenheit, der wir sonst bei Spinoza begegnen" (171). Von der Christologie heißt es: „er wolle nicht von ihr sprechen' sie auch nicht in Abrede stellen; aber er begreife sie nicht. Aus seinen Briefen aber erfahren wir, daß er sie geradezu für widersinnig erklärt hat". Dennoch bemüht sich Freudenthal, die Sympathie und Pietät Spinozas für das Christentum zu erweisen. Nichtsdestoweniger verschleiert er nicht die Unklarheit in der ganzen Stilverfassung Spinozas. Denn der Wortlaut der Schrift, in der er sich am ausführlichsten über Religion und Theologie ausgesprochen hat, der theologisch-politische Traktat, ist o f t dunkel und irre» führend. Nicht selten scheint Spinoza zu behaupten, was er später zurücknimmt, nicht selten anzuerkennen, was er an anderen Orten leugnet. Bisweilen zweifeln wir, ob er in e i g e n e m oder in fremdem Namen spricht. Oft gebraucht er

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