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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 121

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 121 (sequence 66)
Language
German
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— ' 121 und hartnäckigeren Haß kann es nicht geben" (314)140). Daher ist ihm der Haß der Völker nur eine „Erwiderung". Und aus diesem Haß leitet Spinoza die Kraft her, mit dem die Hebräer ihr Vaterland pflegten. Ob der Haß, als ein positiver Faktor geltend gemacht, mit seiner Affektenlehre in Einklang steht, soll hier unerörtert bleibend Dagegen verdient es Beachtung, daß hier auf einmal diesem Staate soziale Vorzüge zuerkannt werden. Die Bürger hätten in ihm „gleichen Land- und Feldbesitz, wie das Oberhaupt, und jeder war für alle Zeiten Herr seines Anteils (316)141). So werden jetzt diese Gesetze gegen die Armut hervorgehoben; aber hier wieder beschönigt der politische Leitgedanke die Auffassung, daß der Nächste nur der „Mitbürger" sei. Und andere agrarische Sozialgesetze werden wieder zu Zeremonien nivelliert. Auch der Sabbat verschwindet unter diesen. Im 18. Kapitel werden aus der Verfassung und Geschichte der Hebräer politische Lehrsätze erschlossen. Hier enthüllt sich der Z u - f am menhang dieser biblischen Forschung mit seiner politisch-publizistischen Tendenz. Die Theokratie läßt die Gefahr erkennen, „rein spekulative Dinge dem göttlichen Recht zu unterstellen" (329)443). Ferner aber wird hier die Warnung vor der Einsetzung eines Monarchen durch die Betrachtung verschärft, daß seine Absetzung nicht nur gefährlich und ungerecht, sondern auch nutzlos sei. Dies wird durch neuere Beispiele begründet. Das 19. Kapitel bringt den positiven Grundsatz, daß Glauben und Kultus der Kompetenz des Staates unterliege. Bei den Anführungen aus dem Alten Testament für diese Omnipotenz des jüdischen Staates findet sich wiederum ein schier unbegreifliches Beispiel seiner literarischen Moralität. Er führt die Bergpredigt an in dem Satze: „Liebe deinen Nächsten und hasse deinen Feind" (341) 143). So festgebannt ist er in dem Gedanken der Gleichheit von religionsfremd.

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