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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 120

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 120 (sequence 65)
Language
German
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120 diejenigen Menschen, die sie noch nicht kannten" (236) 137). Wie vertragt sich aber diese Erklärung, daß zwischen Altem und Neuem Testament keine Verschiedenheit der Lehre bestände, mit dem Grundgedanken, daß dort die Lehre Staatsgesetz, hier allgemeine Moral sei? Sollte auch materiell sich keine Verschiedenheit aus dieseni ver- «neintlichen Unterschiede ergeben müssen? All dieses Schwanken, Widersprechen, Einschränken, Zurücknehmeu und Reservieren sind untrügliche Symptome des unbefriedigten Selbstbewußtseins des Autors. Weiterhin wird ausdrücklich von der Lehre der Liebe gesagt, daß sie „in beiden Testamenten allenthalben nachdrücklich empfohlen wird" (239) 13S). Hiernach wird wiederum der Unterschied der beiden Testamente in dem Hauptpunkte der Liebe aufgehoben. Indessen bliebe für den Bibelkritiker im innerlichen ebenso sehr, wie im politischen Sinne, die Frage: welches Verhältnis zwischen Liebe und Gerechtigkeit in beiden Testamenten literarisch festzustellen sei. Die folgenden Kapitel haben wir schon bei dem Begriffe der Religion und ihrem Verhältnis zur Vernunft ausgeschöpft, ebenso das darauf folgende Kapitel über Staat und Recht. Aus dem 17. Kapitel über den „Staat der Hebräer" sind jetzt nur noch einige Sätze zu betrachten. Aus der Theokratie leitet Spinoza zunächst die Konsequenz ab, daß „die Feinde des Staates Feinde Gottes" seien (299) 139). Eine weitere Konsequenz betrifft das Verhältnis der jüdischen Vaterlandsliebe zur Frömmigkeit. Beide werden identisch. Die Frömmigkeit aber wurde dadurch „zugleich mit dem Haß gegen die übrigen Völker durch den täglichen Kult so gehegt und gepflegt, daß er ihnen zur zweiten Natur werden mußte . . Es mußte darum aus einer Art von täglicher Anklage ein ständiger Haß entspringen, der tiefer als irgend etwas in der Seele Wurzel fassen konnte. War es doch ein Haß . . der für fromm gehalten wurde . . und einen tieferen

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