Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 64)
- Language
- German
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119 lichen Licht, mithin enthalten sie reine MoralWie verhält sich diese Moral aber zu der Geschichte vom Leben Christi in den Evangelien? „Ferner fällt zwar die Religion, wie sie von den Aposteln gepredigt wurde, indem sie ganz einfach die Geschichte Christ i erzählten, nicht in den Bereich der Vernunft". Widerspricht hier die Aussage, die auf Offenbarung beruht, der der Vernunft? Die Fortsetzung des Satzes aber lautet: „ihr Inhalt aber, der in der Hauptsache, wie die ganze Lehre Christi aus Lehren der Moral besteht, kann von Jedermann vermöge des natürlichen Lichtes angenommen werden" (225)1S5). Es wird also ein Unterschied angestrebt zwischen der einfachen Erzählung der Geschichte Christi" und der „Hauptsache", welche, „wie die ganze Lehre Christi", die Moral bildet. Diese nur fällt unter das natürliche Licht. Bleibt es denn nun aber bei der Behauptung von der ganzen Lehre Christi? Die Anmerkung schränkt den Satz ein auf die Bergpredigt. Und im 12. Kapitel über „die Schrift als Gottes Wort" ist noch eine andere Revision in Bezug auf den Unterschied der beiden Testamente beachtenswert, insofern dort gesagt wird, daß die Apostel die Religion „als allgemeines Gesetz und blos kraft des Leidens Christi allen Menschen gepredigt haben" (236) 136). Die Allgemeinheit wird hier begründet durch das Leiden Christi, dadurch aber unvernieidlich auf den Glauben an dieses Leiden für alle Menschen eingeschränkt. Immerhin verdient es, auch abgesehen von den Pflichten der Gerechtigkeit bei der Anklage, allein des sachlichen Wertes wegen auch Beachtung, was hier als Grund der Unterscheidung der beiden Testamente angegeben wird. Er „beruht nicht aus einer Verschiedenheit der Lehre, noch darauf, daß sie als Urschriften des Bundes zu gelten hätten, oder endlich, daß die allgemeine Religion, die die n a t ü r - lichste ist, neu wäre, es sei denn in Hinsicht auf