Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111102-3116604--4999-3116749- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
116 der Naturerklärung besteht in der Hauptsache darin, eine Naturgeschichte zusammenzustellen, aus der man dann . .die Definition der Naturdinge ableitet, ebensoist es zur Schrifterklärung nötig, eine getreue Geschichte der Schrift auszuarbeiten, um daraus als aus den sicheren Daten, und Prinzipien den Sinn der Verfasser . . abzuleiten". In diesem Sinne willer die Schrift nur aus sich selbst erklären. Und diesen Grundsatz bringt er auch zur Anwendung auf die Sittenlehren, die „zwar aus Gemeinbegriffen bewiesen werden können; daß die Schrift sie aber lehrt, kann nicht aus ihnen bewiesen, sondern, eben nur aus der Schrift entnommen werden" (136)m). Was nun die Geschichte der Schrift betrifft, so ist ihr Gegenstand zunächst die Sprache, in welchem die Bücher der Schrift geschrieben sind. Auch die des Neuen Testaments „tragen doch hebräischen Charakter" 127). Ferner müssen die Aussprüche eines jeden Buches zusammenstehen und geordnet werden. Das ist durchaus wieder B «konische Induktion. „Der Sinn ist bloß aus dem Sprachgebrauch zu ermitteln", keineswegs aus der Vernunft selbst. „Er zitiert als- Beispiel: Gott sei ein Feuer oder er sei eifervoll. Da „an keiner Stelle Mose lehrt, Gott sei frei von Leidenschaften oder Gemütsbewegungen, so dürfen wir daraus offenbar schließen, daß Mose das selbst geglaubt hat, oder wenigstens hat lehren wollen, so sehr dieser Ausspruch nach unserer Ansicht der Vernunft widerstreitet" 128). So wird die Schrift gegen den Sinn des- Monotheismus ausgelegt. Dennoch aber darf und soll später, wenn einmal die Schrift scheinbar aus sich selbst klar geworden sein soll, alsdann erst „der Sinn der Propheten" erforscht werden; als ob nicht diesem Sinne bereits die voraufgehende methodische Bearbeitung präjudiziert hätte. Wenn einmal festgestellt ist, daß Gott nicht frei von Leidenschaften sei, so wird hinterher der Sinn der Propheten schwerlich zu ermitteln sein. Dennoch werden Universalien, in Analogie zu denen der Natur fortgestellt. Wiederum