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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 115

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 115 (sequence 60)
Language
German
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115 4hm zu diesem Rechte verholfen habe. Er soll sich damit nicht abfinden wollen, daß diese Gebote, deren Anzahl schwankt, nur der freien Vernunft zu verdanken seien. Von aller politischen Rücksicht indessen abgesehen, geht Zer jüdische Gedanke in seiner theoretischen Allgemeinheit davon aus, daß der Lehre Moses schon diese Vertretung der Vernunft zugesprochen werde. Der Fremdling braucht dies nicht zu glauben, -aber für die jüdische Religion ist der Gedanke von fundamentaler Kraft: Mose hat nicht allein für das Volk Israel gesorgt, sondern vor und nach Noa an die Völker, die, wenn sie nicht Kinder Israels sind, so doch Söhne Noas sein sollen. Und als solche werden sie der Seligkeit teilhaft, die der Ausdruck religiöser Ebenbürtigkeit ist. Durch die Heranziehung nur der einen Maimonidesstelle von den d r e i e n hat Spinoza sich nicht nur in seine Seele schauen lassen, sondern sie wird allezeit als das Bollwerk erkannt werden, mit dem seine ganze historische, -politische, religiöse Theorie des jüdischen Staates und der jüdischen Religion sich selbst zur Widerlegung bringt. Das 6.Kapitel, das „von den Wundern" handelt, bedarf nicht genauerer Analyse. Gott ist ja gleich der Natur, daher sind die Naturgesetze sein Wille und seine Ordnung, die daher „fest und unwandelbar" ist (131). Und die Naturgesetze sind „so vollkommen . ., daß ihnen weder etwas hinzugefügt, noch von ihnen weggenommen werden kann". Dies ist von den Naturgesetzen aber nur bildlich zu verstehen; ihrem logischen Charakter entspricht es nicht. Die Wunder müssen daher nur als „natürliche Dinge" l24) erklärt werden. D a s 7. Kapitel handelt „vonder Auslegung der Schrift". Der pantheistische Begrist der Natur bildet auch hier den leitenden Gesichtspunkt. „Die Methode der Schrifterklärung unterscheidet sich in nichts von der Methode der Naturerklärung. Sondern stimmt vollkommen mit ihr überein" (135)12s). Hier macht sich aber zugleich der Einfluß Bacons im Unterschiede von Descartes geltend. „Die Methode 8*

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