Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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WDWM — 111 — Völker der Welt Anteil am ewigen Leben. 2. Hilch Eduth cap. 11, 10. An beiden Stellen findet sich die Einschränkung nicht, noch irgend eine andere. Ferner ist hiergegen schon von I o e I123) eingewendet worden, daß Spinoza eine falsche Lesart benutzt hat, daß aber eine andere das Prädikat eines „Weisen der Völker der Welt" nicht ebenfalls ausschließt, sondern nur die Frommen der Völker der Welt. Diese Lesart bezeichnet der dem Texte des Kodex auf jeder Seite beigedruckte Kommentar, den niemand übersieht, der den Text liest, und den jeder Leser des Textes zu Hilfe zu ziehen pflegt, als den richtigen. Ueberdies erklärt dieser Kommentar die Ansicht des Maimonides als eine individuelle, die nicht durch die Quellen beglaubigt werde. Van Vloten und Land haben demgemäß auch die Stelle im Text verbessert. Beil. S. 146. Man sieht zunächst hier ganz deutlich, daß Spinoza durch den jedem schriftkundigen Juden geläufigen Gedanken, der seine ganze Theorie umstürzt, in der Tat auch gemahnt worden ist. Aber anstatt demgemäß seine Theorie zu revidieren, sucht er vielmehr diesen Ehrenpfeiler des rabbinischen Judentums zu vereiteln, indem er, noch verstärkt durch eine falsche Lesart, eine Stelle im Kodex des Maimonides heranzieht, um durch sie jene Gegeninstanz zu erschüttern. So beweist diese-Anführung, daß er an den Sohn Noas gedacht hat, daß er ihn aber durch eine, wie immer große, so doch vereinzelte, spätjüdische Autorität und zudem durch unvollständige Verhörung derselben glaubte zunichte machen zu können. Bei der Widerlegung dieses Trugschlusses wollen wir nun aber dem Spinoza selbst folgen, indein wir uns zunächst an die Autorität des großen Lehrers Maimonides halten. Wir fragen daher: Wie konnte gerade er diese einschränkende Entscheidung an dieser Stelle treffen, die nicht blos geeignet scheinen könnte, den fundamentalen Begriff des Noachiden um seine naturrechtliche Bedeutung zu bringen, sondern auch deswegen, weil er an dieser