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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 105

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 105 (sequence 50)
Language
German
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NMWWDMSWWWMWWWNHW — 105 — Denken an das Gesetz. Dafür werden nun ohne Unterscheidung des Zweckes die verschiedensten Gebote gemischt, und immer nur heißt es: es sei für sie alle der einzige Zweck, daß „die Menschen nur unter fremdem Rechte ständen . . Aus dem allen geht sonnenklar hervor, daß die Zeremonien nichts zur Glückseligkeit beitragen, daß die des alten Testaments, vielmehr das -gesamte Gesetz Moses .. nichts außer leiblichen Vorteilen bezweckt haben" (102)"°). Vor dem Satze aber, der Zweck der Zeremonien sei, daß sie „nur unter fremdem Rechte ständen", wie es in Gebhardt's Uebersetzung heißt, sind hingegen die Worte des Textes genauer zu beachten. Sie lauten: „Dies war der Zweck der Zeremonien, daß die Menschen nichts nach eigenem Beschlüsse, sondern alles aus den Befehl eines Anderen täten, und daß sie durch beständige Handlungen und Betrachtungen bekannten, daß sie garnicht unter eigenem, sondern durchaus unter dem Recht eines Anderen ständen". Wer ist denn aber der Andere, unter dessen Befehl und Recht die Menschen so sich stellen? Mose kann es doch nicht sein, denn er ist doch nur der Knecht Gottes, gibt sich niemals für den Herrn aus. Also ist Gott der Andere! d Das ist die furchtbare Konsequenz, auf welche diese Kritik der Zeremonie hingetrieben wird. Und daß sie beabsichtigt ist, geht aus dem Folgenden deutlich hervor, indem der Frage nicht ausgewichen werden konnte, wie es denn um das Neue Testament mit den Zeremonien bestellt sei. „Was nun die ch r i st l i ch e n Zeremonien angeht, die Taufe, das Abendmahl, die Feste und die äußerlichen Gebete und was sonst noch der ganzen Christenheit gemeinsam ist und immer war, so sind sie, falls sie überhaupt von Christus oder von den Aposteln eingesetzt wurden (worüber ich noch nicht völlig sicher bin) nur als äußerliche Zeichen der allgemeinen Kirche eingesetzt, nicht aber als Dinge, welche zur Seligkeit etwas beitragen, oder welche irgend welche H e i l i g k e i t in sich haben" (103)U7).

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