Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 49)
- Language
- German
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104 Zeremonien mit der sozialen Liebe und Gerechtigkeit nicht erkannt hat; denn der Sabbat ist der Inbegriff aller sozialen Gesetze und aller gottesdienstlichen Zeremonien in Israel. Wenn daher weiter gesagt wird: „daß aber die Hebräer nach der Zerstörung ihres Reiches nicht verpflichtet sind, die Zeremonien ,zu beobachten, ergibt sich aus Jeremia" (nämlich 9, 23)11S), so hat er nicht beachtet, wie Jeremia die soziale Bedeutung des Sabbat für alle Folgezeit gewürdigt hat (17, 21). Die folgenden Sätze bewegen sich in Urteilen über das neue Testament, in dem „nur Sittenlehre gelehrt" werde, die Apostel, welche „die Zeremonien aufgehoben haben", und die Pharisäer, die „wenigstens den größten Teil davon beibehielten, doch taten sie es mehr wegen des Gegensatzes gegenüber den Christen, als um Gott zu gefallen" (97)n4). Es entsteht ihm der historische Gedanke nicht, daß beides zugleich als historischer Grund bei den Pharisäern hätte wirken können. Dahingegen fährt er mit der ganz sonderbaren Bemerkung fort, daß schon nach der ersten Zerstörung des Tempels die Zeremonien aufgegeben worden seien, was sich doch nur von den Opfern verstehen läßt. Er aber sagt: „sie haben sich überhaupt vom mosaischen Gesetze losgesagt . . es ist daher kein Zweifel, daß die Juden nach der Auflösung ihres Reiches an das mosaische Gesetz gerade so wenig gebunden waren, als vor dem Beginn ihres Staates und ihrer Gesellschaft" (98)U5). Es folgt darauf eine abenteuerliche Betrachtung über die Opfer bei den Erzvätern und dergleichen. Um nun den eigentlichen Sinn der Zeremonien gänzlich außer Zweifel zu setzen, stellt er wiederum allgemeine Betrachtungen über den Ursprung des Staates an, um sodann auf den hebräischen Staat überzugehen. Mose schon habe es daraus abgesehen, das Volk nicht aus Furcht zur Befolgung der Pflicht zu erziehen. Dies sei der Grund für seine Einführung der Religion in den Staat. Dennoch habe er „blinden Gehorsam" gefordert, und beständiges