Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Gleichnisse. „Solchen jedoch, denen es gegeben war, die Geheimnisse des Himmels zu verstehen, hat er ohne Zweifel die Dinge als ewige Wahrheiten gelehrt, aber nicht als Gesetze vorgeschrieben; auf diese Weise befreite er sie von der Knechtschaft des Gesetzes, und nichtsdestoweniger bestätigt sich und befestigte er dadurch das- Gesetz noch mehr"""). Der letzte Satz macht uns stutzig. Die Knechtschaft des Gesetzes scheint doch unvereinbar mit seiner Aufrechterhaltung, geschweige seiner Befestigung. In der Tat wird diese Bestätigung hier nur aus die Gleichnisse bezogen. Beiin zweiten Punkte, der das natürlich e Licht in der Schrift behandelt, werden nur die hebräischen Quellen berücksichtigt, besonders der weise Salomo in den Sprüchen, sodann die Propheten. „Das Alles paßt völlig auf das natürliche Wissen; denn dieses lehrt die Ethik und die wahre Tugend, sobald man . . den Vorzug des Wissens erfahren hat""Z. Nur bleibt auch, hier die Zweideutigkeit bestehen über das Verhältnisdieses natürlichen Wissens zu dem der Philosophie. Das 5. Kapitel handelt nun von den Zeremonien. Sie sollen nur auf das leibliche, zeitliche Glück der Hebräer und auf die Sicherheit ihres Reiches Bezug haben. Als Gesetze Gottes begründen sie sich nur auf ihre Offenbarung. Wie rechtfertigt sich aber hier die Offenbarung? Das fragt er nicht, sondern er rechtfertigt sich selbst durch die Anführung von Schrift st eilen. Nun sollte man meinen, daß hier nur Christus, nur das Evangelium das Wort nehmen könne, als das unmittelbare Wort Gottes; hingegen aber werden fast ausnahmlos die Propheten und- Psalmen angeführt. Gehören sie aber nicht auch zum. alten Testament, wenn selbst er sagen sollte, was er nicht sagt, daß sie im Widerspruch ständen zum Gesetze Moses. So läßt er gegen die Zeremonien die Kampsredender Propheten gegen die Opfersprechen. Diese Anführungen werden charakteristischer Weise, als ob unsere Frage auch in ihm sich regte, durch Kon-