Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 45)
- Language
- German
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100 Vät er wörtlich ausgenommen: „Der Lohn der Pflicht ist die Pflicht" (N1W N12!2 -I2L^). Aber den Pharisäern will er ja nichts zu danken haben. Die vier Teile des Gesetzesinhalts werden sodann einzeln erörtert. Und die erste Frage betrifft die Möglichkeit Gottes, als Gesetzgebers, aus dem Gesichtspunkte des natürlichen Lichts. Da Gott nämlich nicht nur in unserem Geiste existiert, sondern gleichbedeutendist mit der gesamten Natur und ihrer Notwendigkeit, so entsteht ein Mißverhältnis zwischen dem notwendigen Sein und dem befohlenen. Es muß: danach der Befehl, das Gesetz seiner Teilerscheinung entsprechend, mangelhaft sein. So hat Gott dem Adam „nur das Uebel offenbart, das ihn notwendig betreffen werde, wenn er von jenem Baume esse, aber nicht, datz jenes Uebel mit Notwendigkeit eintreten müsse. So kam es auch, daß Adam in jener Offenbarung keine notwendige und ewige Wahrheit sah, sondern nur ein Gesetz, d. h. nur eine Verordnung, die Lohn oder Strafe im Gefolge hat" 105). So war denn Adam nur mangelhaft von Gott informiert. „Aus dem gleichen Grunde, nämlich ebenfalls wegen mangelhafter Erkenntnis, waren die zehn Gebote bloß in Bezug auf die Hebräer Gesetz . . Hätte Gott ohne die Anwendung körperlicher Mittel ganz unmittelbar zu ihnen gesprochen, so hätten sie es nicht als Gesetz, sondern als ewige Wahrheit aufgefaßt. Was ich aber von den Israeliten und von Adam gesagt habe, das gilt auch von allen Propheten . . das gilt z. B. von Mose selbst"106). Worauf diese Unterscheidung zwischen der unmittelbaren Offenbarung und der durch körperliche Mittel abzielt? Wir kennen dieses Ziel bereits. Diese mangelhafte Offenbarung gilt „nur von den Propheten, aber nicht von Christus. Christushat, obwohl auch er Gesetze im Namen Gottes geschrieben zu haben scheint, wie wir dennoch denken müssen, die Dinge wahr und adäquat erkannt; denn Christus war nicht sowohl Prophet als der Mund«