Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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-r 99 Die Verantwortung für die Erzeugung und Befolgung des Gesetzes zu tragen habe, sondern es bedeutet die auf Definition beruhende Identität des menschlichen Geistes mit Gott, sofern er in diesem Geiste existiert. Die menschlichen Gesetze haben einen anderen Zweck, „vorausgesetzt, daß sie nicht auf Offenbarung begründet sind" 101). Was heißt das? Es gibt also offenbarte Gesetze, die dennoch menschliche wären? Dies kann nur dadurch möglich sein, daß sie nicht auf das höchste Gut sich beziehen. Und dennoch werden sie auf Gott bezogen? Eine Einschränkung wird jetzt verständlich: „Der Hauptinhalt und das höchste Gebot des göttlichen Gesetzes" sei das höchste Gut; „der Hauptsache nach" bestehe es in ihm. Es wird aber nicht sogleich gesagt, worin der Nebeninhalt bestehe; nur auf die s i n n l i ch e n Mittel wird hingewiesen, deren der sinnliche Mensch bedürftig sei. Nach dieser Bestimmung des menschlichen und zugleich göttlichen Gesetzes heißt es: „und in diesem Sinne kann auch das mosaische Gesetz, Gesetz Gottes oder göttliches Gesetz heißen, obschon es nicht allgemein gültig, sondern in der Hauptsache dem Charakter und insbesondere der Erhaltung eines einzelnen Volkes angepaßt war". Ist diese Anerkennung nicht ein Widerspruch? Die Erklärung folgt: „da wir ja nun einmal glauben, daß es aus prophetische Erleuchtung sich gründet^102). Warum aber glauben wir dies? Darauf gibt der anonyme Autor keine Antwort. An diesem Inhalt des „natürlichen göttlichen Gesetzes" werden sodann die allgemein gültigen Gesetze und die Geschichten unterschieden, an die der Glaube nicht gefordert wird. Endlich werden von ihm auch ausgeschieden die Zeremonien, „an sich indifferente Handlungen", die nur „versinnbildlichen" und die „menschliche Fassungskraft übersteigen"103). Als vierten Punkt bezeichnet er den Satz: „der höchste Lohn des göttlichen Gesetzes sei das Gesetz selbst" lw). Hier hat er, nur durch das Wort „höchst" vermehrt, einen Satz der Mischna aus den bekannten Sprüchen der 7*