Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 43)
- Language
- German
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98 Seine Gesinnung aber kommt auch dabei wieder zum Vorschein, indem er die Zirkumzision mit dem „Zopf der Chinesen" vergleicht. Auch ihnen prophezeit er die Wiedererlangung ihres Reiches nach dessen Verluste durch die Tartaren. Die Durchführung dieser Analogie hat er jedoch füglich, unterlassen. Das 4. Kapitel ist überschrieben: „Vom göttlichen Gesetz". Es beginnt mit Bestimmungen über den Begriff des Gesetzes für die Natur und für die Menschen Welt. In letzterer Bedeutung wird das Gesetz zum Gebot für die Lebensweise der Menschen, und so unterscheidet er menschliches und göttliches Gesetz; das menschliche dient „der Sicherung des Lebens und des Staates". Das göttliche aber „bezieht sich allein auf das höchste Gut, nämlich die wahre Erkenntnis und Liebe Gottes" (80) *6). Jetzt wird Gott zu einem Gegenstand der wahren Erkenntnis, während der Glaube ja auf die wahren Dogmen-verzichten soll (oben S. 66). Jetzt aber soll das höchste Gut darin bestehen, unserem Intellekt die höchste Vollendung zu geben. Und das gesamte Scharfgeschütz der Ethik wird hier aufgefahren, wie das „Nichts ohne Gott sein, noch gedacht werden kann"97), daß alles Natürliche „den Begriff involviere und ausdrücke", und daß „je mehr und vollkommener wir die Naturdinge erkennen, eine desto größere und vollkommenere Erkenntnis Gottes wir erlangen"98). Unser höchstes Gut „hängt nicht so sehr von der Erkenntnis Gottes ab, als es in ihr überhaupt besteht". Und in diesem höchsten Gute der Erkenntnis besteht unsere Seligkeit. Daher können die Mittel zu dieser Seligkeit des höchsten Gutes „Befehle Gottes genannt werden" oo). Auch hier verleugnet sich sein Pantheismus nicht: „weil sie gleichsam von Gott selb st, insofern er in unserem Geiste existiert, uns vorgeschrieben werden"""). So ist also das göttliche Gesetz letztlich dock begründet in unserem.Geiste; aber das'heißt nicht, daß unser Geist