Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111102-3116604--4979-3116729- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
96 den Heiden mißgönnt und gewagt hätte, so etwas von Gott zu erbitten" (70)91). Mose habe nur die besondereäußere Hilfe Gottes erbeten. „Mose spricht also an dieser Stelle blos von der Auserwählung der Hebräer, wie ich sieerklärt habe, etwas anderes hat er von Gott nicht erbeten" (71)92). Also die Auszeichnung für sich und sein Volk versteht Mose nur als einen äußerlichen Beistand Gottes, und nur als solchen die Erwählung Israels. Weiter wird sodann Paulus zitiert mit seinem Eifer gegen das Gesetz, unter dem und deshalb unter der Sünde Juden, wie Heiden, gestanden haben. Paulus aber folgert daraus: „Gott hat allen Völkern seinen Christus gesandt, damit er alle in gleicher Weise von der Knechtschaft des Gesetzes befreie" (72)93). Nun versteht ja aber Paulus bekanntlich unter dem Gesetze nicht allein das Zeremonialgesetz, sondern ebenso auch das Sittengesetz. Es dürfte daher nicht ganz richtig sein, wenn es hier weiter heißt: „Auf daß sie hinfort nicht mehr auf das Geheiß des Gesetzes, sondern nach festem Entschluß des Willens handelten. Paulus lehrt also genau das, was ich behaupte" (72)94). Dies wäre nur dann richtige wenn der Glaube bei Paulus gleichbedeutend wäre mit dem „festen Entschluß des Willens". Der Wille aber kann sich nicht an sich auf die Erlösung durch Christus berufen, sondern nur auf Grund des Glaubens an sie. Zum Abschluß des Kapitels werden gegen die Bibelstellen, welche die Ewigkeit Israels verheißen,. Mahnungen angeführt, welche mit dem Untergang des Volkes drohen bei fortgesetzter Widerspenstigkeit. Er nimmt sie als direkte Prophezeiung. In dieser Hinsicht werden wir noch andere Beispiele seiner Bibelauffassung kennen lernen. Er berührt auch hier schon die Frage von dem Fortbestand.der Juden, nachdem sie den angeblichen Gegenstand ihrer Religion, ihren Staat, längstverloren haben, und er hat auch dafür seine Erklärungsgründe. „Daß sie sich aber so viele Jahre hindurch in der Zerstreuung und ohne eigenes Reich erhalten haben,.