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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 95

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 95 (sequence 40)
Language
German
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95 Beweis dafür angezogen, daß „die Juden zu jener Zeit Won Gott nicht mehr geliebt worden waren als andere Nationen", und daß die Berufung der Juden nur „das zeitliche Glück des Körpers" bezweckt habe 87). Zum zeitlichen Glück ist nunmehr das leibliche hinzugetreten. Woher aber hat Spinoza die Einsicht, Laß Gott alle Völker zu lieben habe? Jetzt kommen die Zitate aus Psalmen und Propheten. Besonders beschämend müßte ihm außer Psalm 145, 18, und in demselben Psalmvers 9, besonders aber Psalm 33, 15 sein: „Er bildete ihnen insgesamt ihre Herzen". Also hat der einzige Gott doch nicht allein das Chaos besorgt, sondern auch außerhalb Palästinas allen Menschen ihre Herzen geschaffen. Andere Widersprüche treten hinzu. Einmal heißt es: „Die Hebräer waren bloß auf die Aufzeichnung ihrer eigenen Geschichte, aber nicht auf die der anderen Völker bedacht" (67)8Ö), gleich darauf aber: „Daß die hebräischen Propheten nicht bloß zu ihrem eigenen, sondern auch zu vielen anderen Nationen von Gott gesandt worden sind"88). Und so zitiert er die ergreifenden Worte des internationalen Mitleids von I e s a i a und I e r e m i a über Egypten und M o a b , schließt daran aber die Prophetie Bileams, um seinen großen Satz zu beweisen, daß „die übrigen Völker auch ihre Propheten gehabt haben, wie die Juden, die ihnen und den Juden prophezeit haben" (69) ^°). Das ist aber Las Neue, das nebenbei hier herauskommt: daß die heidnischen Propheten ebenso für Israel prophezeit haben, wie die israelitischen für heidnische Völker und zwar zu ihren Gunsten. Eine solche Rolle hat Bileam allerdings sehr maskiert. Endlich erklärt er auch noch 2. M. Kap. 33, 16, die Bitte Moses um den Schutz Gottes für die Existenz des Volkes mit dem Ausdruck: „und daß wir uns unterscheiden, ich und dein Volk von allem Volk, das auf der Erde ist". Auf diese geschichtliche Anerkennung der religiösen Unterscheidung („ich und dein Volk") sagt er: „Lächerlich fürwahr, wenn Mose die Gegenwart Gottes

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