Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 39)
- Language
- German
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— 9i — -geworden, der zwischen diesem Universalisinus und jenem nationalen, der Errichtung eines nationalen Staates dienenden Partikularismus besteht; so konnte es ihm geschehen, daß er über dem Staatszwecke, so notwendig er nach ihm selbst ist, dennoch den Zweck der Religion übersehen konnte, den dieser Staatsbegriff selbst in seinen prophetischen Politikern verfolgt. Dennoch dürfte es schlechterdings unverständlich bleiben, wie es Spinoza möglich werden konnte, den notwendigen Partikularismus der Staatsgesetze zu verallgemeinern auf den gesamten Inhalt der mosaischen und der alttestamentlichen Gesetze überhaupt. Eine besondere Schwierigkeit nämlich bildet bei dieser Verallgemeinerung noch die Erstreckung von den mosaischen Büchern auf alle anderen des alten Testaments, während, wie wir sehen werden, tatsächlich von diesen letzteren andere Zitate von ihm selbst, herangeführt werden. So windet sich der ganze Schluß dieser Ausführungen in Widersprüchen und Wiederholungen derselben Thesen, denen die Anführungen aus Propheten und Psalmen widersprechen. „Nur das noch füge ich hinzu, daß die Gesetze sogar des alten Testaments den Juden allein offenbart und .vorgeschrieben worden sind" Der besondere Staat fordert besondere Gesetze. Sind denn aber alle Gesetze des A. Ts. lediglich Staatsgesetze oder etwa auch solche der allgemeinen menschlichen Sittlichkeit? So fragt er nicht, aber kleinliche Gegenfragen von Seiten der allgemeinen Geschichte und Kultur werden spitzfindig gestellt und aus der Schrift belegt. Dahingegen erinnert er sich nicht, — wirklich nicht? — daß der Talmud die Gesetze derSöhneNoas erfunden und aufgestellt hat, erstlich, um nicht alle Völker außerhalb des göttlichen Rechtes zu stellen, sodann aber auch, um nicht das biblische Gesetz als das alleinige Sittengesetz erscheinen zu lassen. Darauf wird noch näher einzugehen fein. Die Strasreden der Propheten, wie Maleachi, Kap. 1, 11 „ich habe keinen Gefallen an euch . . denn groß ist mein Name unter den Völkern" werden zum