Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 18 (1915)
- Article
- Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 36)
- Language
- German
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!)1 ist auf solcher Gemütsgrundlage der Satz zustande gekommen: Mose lehrt nicht nur einen Gott, sondern zugleich viele andere Götter außer dem einen von Jerusalem, — und dennoch soll dieser einzige Gott der Gott des Glaubens sein, und dennoch soll dieser Mann Mose Sittlichkeit gelehrt haben, die der einzige Inhalt der Religion sei! Freilich hat Mose nur „als Gesetzgeber" den Lebenswandel vorgeschrieben. Es heißt hier im Gegensätze dazu: „nicht als Philosoph". Das kann doch aber nur heißen: nicht als Moralist. Und der Wert dieser Moral soll gerade angegriffen werden. „Die Art und Weise eines guten Lebens oder das wahre Leben, sowie die Verehrung und Liebe Gottes war ihnen mehr eine Knechtschaft als wahre Freiheit und als Gnade und Geschenk von Gott" (53) 77). Und diese Knechtschaft beruht auf der Liebe! Mose dürfte unter allen religiösen Denkern der Erste sein, der Gott zu lieben befohlen hat, der im Zeichen der Liebe Gott zum Problem gemacht hat, und diese Liebe sollte nur Knechtschaft sein? Zur Beurteilung der ganzen wissenschaftlichen Verfassung dieses Bibelkritikers verlohnte es sich, alle die anderen Ausführungen für diesen Kernsatz seiner biblischen Ueberzeugungen durchzugehen, aber es sei mit der Hinweisung darauf genug. „Wir schließen daher, daß wir den Propheten nur das zu glauben verpflichtet sind, was den Zweck und den Inhalt der Offenbarung ausmacht" (55)78). Und dieser Zweck und Inhalt der Schrift bleibt dennoch, wie es von Kain an war, „die Ermahnung zum wahren Leben". Aber diese Wahrheit des Lebens ist doch nur eingeschränkter Weise in der Schrift zu finden, mithin daher so auch nur in der Religion. Und es kommt daher hier auf das eigentliche Ziel dieses Traktates hinaus: „nämlich die Philosophie zu trennen von der Theologie" (57) ”). Gemeint aber ist eigentlich: die Philosophie zu trennen von der Religion. Das 3. Kapitel handelt von der „Berufung der Hebräer und ob die Prophetengabe ihnen allein eigen sei". Schon diese Verbindung der Fragen ist auffällig. Die