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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 90

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 90 (sequence 35)
Language
German
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90 Weise der biblischen Worte zu erklären sein könnte: „Mose gibt allerdings zu, daß es Wesen gebe, welche „Gottes Stelle vertreten . . das heißt, Wesen, denen Gott die Autorität, das Recht und' die Macht gegeben hat, die Völker zu leiten, für sie zu sorgen und Vorsehung zu leisten. Von dem Wesen aber, das sie zu verehren hatten, lehrte er, es sei der höchste und o b e r st e Gott, oder, um den Ausdruck der Hebräer zu gebrauchen, der Gott der Götter" (50) 75). Er erhebt dabei noch die Frage, ob jene Stellvertreter Gottes auch von Gott geschaffen seien, worüber Mose nichts gesagt habe. Unter den Anführungen für diesen Gedanken, der übrigens im Widerspruch steht zu dem einzigen Gotte des Glaubens auf Grund der Schrift — ist aber ein Zitat besonders lehrreich: Chronik 2, Kap. 32, 19. Da wird von den Boten und Schriften Sanheribs bei der Belagerung Jerusalems berichtet. „Und sie redeten vom Gotte Jerusalems, wie von den Göttern der Heiden Völker, dem Werk von Händen des Menschen". Spinoza zitiert diesen Vers für seine Ansicht, daß der Gott Jsraelsder Gott von Jerusalem sei. Ihn hat der gewaltige Ernst dieses Verses nicht erschüttert: sie reden von dem Gotte Jerusalems, wie von den Göttern der Völker der Erde, die das Werk von Menschenhand sind. Er sieht hier nur den Gott zu Jerusalem — und macht seinen Zirkelschluß fertig: „Mose lehrte weiter, daß dieses Wesen diese sichtbare Welt aus dem Chaos in Ordnung gebracht, und alle Samen der Natur eingepflanzt habe und daß er das höchste Recht und die höchste Macht zu allem habe; diesem höchsten Recht und dieser Macht zufolge habe das höchste Wesen für sich allein das hebräische Volk auserwählt, wie auch ein bestimintes Land der Erde. Die übrigen Völker und Länder habe es der Sorge der von ihm substitute r t e n Götter überlassen, und darum heißt dieses Wesen der Gott Israels und der Gott Jerusalems" 76). Darauf bezieht sich das Zitat aus der Chronik. So

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