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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 89

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 89 (sequence 34)
Language
German
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— 89 — Meinungen haben sie von Gott gehabt, denen auch ihre Offenbarungen angepaßt wurden" (48) 71). Dennoch werden sie „wegen der Frömmigkeit und der Standhaftigkeit ihrer Gesinnung gelobt"73). Wiederum müssen wir fragen: Haben Frömmigkeit und feste Gesinnung schlechterdings gar kein Verhältnis zu einer kultivierten Erkenntnis insbesondere von Gott und seinen Eigenschaften? Sollten nicht den vulgären Vorstellungen von Gott auch vulgäre Vorstellungen von der Sittlichkeit entsprechend sein müssen? Spinoza wird nicht müde, diese vulgären Vorstellungen auch bei Mose zu kennzeichnen. Und dabei zeigt sich ein lehrreicher Rückschlag von der mangelhaften Gotteserkenntnis auf die zugebilligte moralische Einsicht, ebenso aber auch ein solcher von dieser auf jene. Gott sei für Mose nur das ewige Wesen, wie im Hebräischen Jehova „die drei Zeiten des Existierens ausdrückt. Von seiner Natur aber hat er weiter nichts gelehrt, als daß erbarmherzig, gnädig usw. und sehr eifervoll ist (49) 73). Dieses u s w. muß beachtet werden. Die anderen Eigenschaften Gottes, seine Liebe und Treue werden mit „u. s. w." unterdrückt, aber „im höchsten Maße eifervoll", so falsch wird die dreizehnte Eigenschaft übersetzt, über welche der Talmud und die Religionsphilosophen die wichtigsten und zugleich interessantesten Aufklärungen vom Wesen Gottes gebracht haben. Nur die Unbildlichkeit seines Gottes wird Mose zuerkannt, „dieweil er kein Bild von Gott in seinem Gehirn gebildet hatte, und Gott . . daher in keinem Bilde ihm erschienen ist" (51)7l). Was bedeutet denn nun aber die Einzigkeit Gottes, wenn anders sie nicht nur den Defekt der Bildhaftigkeit besagen kann? Während die Einzigkeit Gottes unter die Artikel des Glaubens, und auf Grund der Schrift angenommen wird, wie wir gesehen haben, tritt dennoch das Unglaubliche ein, daß die Einheit Gottes — dem Mose abgesprochen wird. , Von dieser Konsequenz wird man nicht glauben, daß sie selbst aus seiner buchstäblichen Jnterpretations-

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