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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1915-01-01 · 18 (1915) · p. Seite 88

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
18 (1915)
Article
Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum
Date
1915-01-01
Page
Seite 88 (sequence 33)
Language
German
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88 los zusammengestellt mit den Propheten, und in voraufgehenden Anführungen wird kein Unterschied gemacht zwischen den Propheten und Mose. Man sollte denken, daß der Geist der Propheten erschöpfend in diesem Kapitel beurteilt sei, zumal am Schlüsse desselben noch die Frage nach der Gewißheit dieser prophetischen Erkenntnis gestellt wird, und mit der Frage sogleich die Antwort gegeben zu sein scheinen muß. Indessen soll darüber doch noch in dem folgenden Kapitel „von den Propheten" gehandelt werden. Wir hören sogleich wieder: „Wer Weisheit und Erkenntnis der natürlichen und der geistigen Dinge aus den Büchern der Propheten erforschen will, , der ist auf falschem Wege" (37) «?). Alle Weisheit und alle Erkenntnis der geistigen Dinge soll den Propheten fehlen, so wie man die der Maturerkenntnis bei ihnen vermißt? Welchen Nutzen überhaupt hätte dann die Schrift und welche Beziehung bliebe ihr zur Religion? Es muß eine Einschränkung folgen. Die Prophetie hat keine Gewißheit der Erkenntnis. „Diese prophetische Gewißheit war keine mathematische, sondern eine nur moralische" (39) ^). Man sollte denken, das sei genug und zutreffend; denn in der Religion soll es sich ja nur um die Moral handeln. Es ist daher wiederum zu besorgen, daß der echte moralische Gehalt der prophetischen Erkenntnis trotz deren moralischer Gewißheit herabgesetzt werde. „Die ganze prophetische Gewißheit war begründet . . drittens und hauptsächlich darauf, daß ihr Sinn allein dem Rechten und Guten zugeneigt war" (40)"). Dieser Inhalt freilich genügt noch nicht; es bleibt die Frage, ob die Propheten den ganzen Inhalt der Religion zum Ausdruck gebracht haben; nur in diesem Fall besteht ihr Verhältnis zur Religion. „Die Prophetie hat niemals die Propheten gelehrter gemacht"?°). Dies läßt er selbst zwar nicht gelten von der „Rechtschaffenheit und den guten Sitten". Aber „nichts Besonderes haben sie von den göttlichen' Attributen gelehrt, sondern sehr vulgäre

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